

Die Sachsen sind mutig, sie fassen prekäre Themen an. Mitte 2004 nahmen sie sich im Zeitgeschichtlichen Forum des brisanten Themas der Vertreibung Deutscher aus der ehemaligen Tschechoslowakei nach Ende des Zweiten Weltkriegs an. Ein Politikum, Tschechiens Staatspräsident Václav Klaus war nicht bereit, die Schirmherrschaft zu übernehmen, wie bei solchen Ausstellungen üblich. Ob sie jemals im südöstlichen Nachbarland gezeigt wird, wie von den Sachsen angeregt, steht dahin. Immerhin konnte Kulturstaatsministerin Christina Weiss ihren tschechischen Kollegen Pavel Dostal dafür gewinnen, die Schirmherrschaft für „Nähe und Ferne“ zu übernehmen. Sie lobte die Leipziger Ausstellung dafür, dass sie die Vertreibung im historischen Kontext darstellt und nicht, wie die Vertriebenenverbände es oft tun, nur im Blick auf sich selbst und ohne den Seitenblick auf das fremde Leiden.
Dabei sind Tschechen und Deutsche in der jüngeren Vergangenheit einander sehr nahe gekommen. Die bundesdeutsche Botschaft in Prag war 1989 zur Zufluchtsstätte für mehrere tausend DDR-Bürger geworden, die Polizisten über den Zaun klettern ließen. Dann kam Außenminister Hans-Dietrich Genscher und versicherte den Geflüchteten die Ausreise in den Westen. Danach barst die ideologische Überkrustung erst der DDR, dann auch Tschechiens und schließlich des gesamten Ostblocks. Die Oligarchen wurden hinweggefegt, die Völker holten sich Freiheit und Demokratie.
Das Zeitgeschichtliche Forum wurde zum 10. Jahrestag der friedlichen Revolution 1989 eröffnet. Es ist seit 1999 Ausstellungs-, Dokumentations- und Informationszentrum mit nur einem Thema, das ständig variiert wird: der Nachkriegsgeschichte. Zwischen Diktatur und Widerstand werden Alltagsleben und politische Entwicklung gezeigt, auch in Szene gesetzt mit stummen Zeitzeugen, wie Teilen eines Fluchtautos, Stücken aus der Berliner Mauer, aber auch der in der DDR begehrten Jawa 350 vom tschechischen Nachbarn und unzähligen Exponaten der realsozialistischen Periode. Der Rundgang macht sehr plastisch mit dieser Vergangenheit bekannt und bietet einen guten Überblick. In der Lobby, im Treppenhaus, im Fahrstuhl hört man laut und vernehmlich die Polit-Protagonisten des geteilten Deutschland. „Es wird keine Mauer gebaut werden“, sächselt Ulbricht. „Schaut auf diese Stadt“, barmt West-Berlins erster Regierender Bürgermeister Schumacher. Und US-Präsident Kennedy versucht sich an der Aussage: „Isch bön oin Börliner!“
| Adresse: |
Zeitgeschichtliches Forum Leipzig
Grimmaische Str. 6
04109
Leipzig
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| Telefon: | +49 (0) 341 222 00 |
| Internet: | www.hdg.de![]() |
| Öffnungszeiten: | Di-Fr 9-18, Sa/So 10-18 Uhr. |
| Eintrittspreise: | Frei. |