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Wallraf-Richartz-Museum Foundation Corboud (Köln)

Koeln

Köln ist keine Stadt, die sich unter der schützenden oder spendablen Hand eines Fürsten entwickeln konnte. Die Bürger mussten sich ihre Schatzkammern aus eigener Tasche mit künstlerischen Kostbarkeiten füllen. So entstand mit dem Wallraf-Richartz-Museum eines der ersten bürgerlichen Museen des 19. Jahrhunderts in Deutschland. Der Kanonikus und spätere Universitätsrektor Ferdinand Franz Wallraf (1748 bis 1824) rettete nach der Säkularisation von 1802 eine große Zahl bedeutender Kunstwerke, die er später der Stadt stiftete. Wohlhabende Kölner Bürger vervollständigen bis zum heutigen Tag die Sammlung, für die der Kaufmann Johann Heinrich Richartz 1861 den ersten Museumsbau finanzierte.

Nach dem Auszug aus dem Doppelmuseum am Dom fand die Sammlung im Kunstquader des Stararchitekten Oswald Mathias Ungers gleich hinter dem Gürzenich, Kölns traditionellem Ballhaus, ihr neues Zuhause. Ungers massiger Kubus schmeichelt nicht dem Auge, aber er ist charakteristisch für Köln, denn er nimmt bewusst einen Charakterzug jenes mittelalterlichen Kölns auf, das einmal die größte europäische Stadt nördlich der Alpen war. Orientiert am rechtwinkligen, römischen Straßenplan entwickelte sich eine kompakt anmutende Bebauung. So steht der Museumsneubau in reizvollem Kontrast zum Rathausturm aus dem 15. Jahrhundert und der eleganten Renaissancelaube, die sich am gegenüberliegenden Ende des Rathausplatzes erheben.

Außerdem ist man nun wieder dort heimisch geworden, wo ein Großteil der Sammlung geschaffen wurde. Hier befanden sich im Mittelalter die Werkstätten der Goldschmiede und Maler. Stefan Lochner wohnte und arbeitete hier, seine „Muttergottes in der Rosenlaube“ zählt zu den bedeutendsten Werken des Museums. Hinter seiner fensterlosen Fassade aus Basaltlava und Eifel-Tuffstein verbirgt das Haus im ersten Obergeschoss auf 950 Quadratmetern Kunst des Mittelalters. Für die großformatigen Altarbilder des 14. bis 16. Jahrhunderts schuf Ungers einen kreuzförmig angelegten Mittelsaal. Hier sind die großartigen Werke der gotischen Malerei aus Köln zu bewundern, die in den Arbeiten der Meister der Hl. Veronika, der Kleinen Passion und der Ursula-Legende faszinierend realistische Menschenbeobachtung erkennen lassen. Mit dem Übergang zur Renaissance hält die Sammlung ihr Niveau, wie Dürers „Pfeifer und Trommler“ und die Arbeiten von Lucas Cranach d. Ä. oder Joos van Cleve beweisen.

In seiner Hängung spiegelt das neue Haus eine Mentalität Kölns wider, denn die Stadt wusste stets von allen Seiten fruchtbare Einflüsse in ihr öffentliches Leben zu integrieren. So kann man etwa in den der Altkölner Malerei benachbarten Räumen beobachten, wie die Malerei in der Stadt durch den Zuzug französischer, flämischer, niederländischer und westfälischer Künstler ihre besondere Delikatesse erhielt. Aber auch große Namen des Barock zählt das Wallraf-Richartz-Museum zu seinen Beständen. Darunter Peter Paul Rubens mit „Juno und Argus“ und seinem originellen „Selbstbildnis mit den Mantuaner Freunden“. Neben den Flamen van Dyck, Jordaens und Heemskerck sind die Italiener mit Tizian, Tintoretto, Strozzi und Bordones „Bathseba im Bade“ vertreten. Die Franzosen setzen mit Le Nain, Boucher und Claude Lorrain aus dem 17. und 18. Jahrhundert gleichfalls Akzente.

In den letzten Jahrzehnten konnte durch großzügige Stiftungen und kluge Ankäufe der Anteil der Malerei des späten 19. Jahrhunderts in repräsentativer Breite ergänzt werden. Zu Manet, Sisley, Renoir, van Gogh und Cézanne kamen Monets „Seerosen“ – und mit den kraftvollen Arbeiten der Symbolisten Ensor, Gauguin und Munch enthält die Sammlung ein interessantes Gegengewicht zur Präsenz der Impressionisten. Mit Bildern von Caspar David Friedrich, Menzel, Spitzweg und Gustave Courbet ist man gut vorbereitet auf die explosive Erneuerung der Malerei, die mit dem Wechsel zum 20. Jahrhundert einsetzt.

In ihren graphischen Kabinetten besitzt die Sammlung mit 75.000 Graphiken ein imposantes Konvolut, in dem Namen wie Leonardo da Vinci, Rembrandt und Rodin vertreten sind. Neben vielen Entdeckungen, die das Wallraf-Richartz-Museum für Besucher bereithält, die hier repräsentativ die Entwicklung der europäischen Malerei über 700 Jahre verfolgen möchten, gibt es mit den zahlreichen, exquisiten Werken des Realisten Wilhelm Leibl, der 1844 in Köln das Licht der Welt erblickte, ein Kleinod der Sammlung zu bestaunen.

Dass Köln inzwischen zu den Pilgerstätten der Liebhaber des Postimpressionismus gehört, ist dem in der Schweiz lebenden Kölner Industriellen Gérard Corboud zu danken, der seine Sammlung in der Stadt beheimaten wollte, wo seine Firma ihren Reichtum erwirtschaftet hatte. Mit ihm hat Köln eine neue wichtige Stifterpersönlichkeit gewonnen und zeigt nun Werke von Cross und Gustave Caillebotte. Flirrend intensiv, ein erregender Kontrast zum quadratischen Raumzuschnitt des Ungersschen Interieurs. Direktor Andreas Blühm, seit Mitte 2005 im Amt, bemüht sich intensiv um junge Besucher, die er dem Haus etwa mit einer „Tierschau“ bereits erschlossen hat.

Adresse: Wallraf-Richartz-Museum Foundation Corboud (Köln) Obenmarspforten  
50667   Köln
Telefon: +49 (0) 221 221 211 19
Internet: www.museenkoeln.de(Externer Link)
Öffnungszeiten: Di / Mi / Fr 10-18, Do 10-22, Sa / So 11-18 Uhr.
Eintrittspreise: 9 €, erm. 6 €.

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