

Als das Schnütgen-Museum nach den Heimsuchungen des Zweiten Weltkrieges 1956 sein heutiges Domizil, die Damenstiftskirche St. Cäcilien aus dem 12. Jahrhundert, bezog, erklärte der amtierende Bundespräsident Theodor Heuss dieses Museum schlichtweg zum schönsten Museum in Deutschland. Tatsächlich präsentiert sich das Museum Schnütgen in seiner konzentrierten romanischen Schmucklosigkeit als eine Art „Musée imaginaire“ der mittelalterlichen Kunst. Selten bietet sich in Deutschland die Gelegenheit, die christliche Ideenwelt und ihre komplexe Formensprache in einem derartig geschlossenen Ambiente zu erleben.
Die harmonische Raumgestaltung der Romanik lässt sich nach der stilvollen Umgestaltung der Pfeilerbasilika zu einem Museum konkret nachvollziehen. Dazu muss man sein Augenmerk nur auf den reichen Skulpturenschatz der Sammlung richten. Erst wenn man die Möglichkeit hat, eine Madonnengestalt aus dem 13. Jahrhundert einmal von allen Seiten zu betrachten, und man den Raum ihrer sakralen Aura abgeschritten hat, bekommt man ein Gefühl für die Intensität, die vom sprechenden Gestus mittelalterlicher Kirchenkunst ausgeht. Eindrucksvoll stellt sich der skulpturale Aspekt in Kunstschätzen wie dem Kruzifix aus St. Gereon aus dem 11. Jahrhundert dar. Die Glasarbeiten sind ebenfalls einzigartig – so fällt das Licht der Westseite durch Fenster aus dem ehemaligen, zerstörten Kreuzgang des Klosters Altenberg und aus St. Apern, die aus dem frühen 16. Jahrhundert stammen. Bemerkenswert sind auch die Goldschmiedearbeiten, und wenn man durch den Chor in die Sakristei geht, findet man einzigartige geistliche Gewänder.
Dem Domkapitular Alexander Schnütgen fällt das Verdienst zu, viele dieser Schätze vor der Zerstörung bewahrt zu haben. Noch unter dem Schock der napoleonischen Besetzung begann er mit dem Aufbau der Sammlung. Schon 1794 besetzten französische Revolutionstruppen die Domstadt, und innerhalb kürzester Zeit rollte eine Walze blinder Zerstörungswut über Köln hinweg, von der die vielen abgeschlagenen Köpfe der Skulpturen des Museums erzählen. Die Parlerbüste von 1390 gehört zu den verschonten Werken und gibt ein Beispiel für den „weichen“ Stil der Gotik. Sie ist heute ein Wahrzeichen des Museums. Nach der Eröffnung des Kunstzentrums am Neumarkt sollen auch die umfangreichen Bestände an Textilkunst, Glasmalerei und Steinskulptur angemessen präsentiert werden. Nach einem Besuch in St. Cäcilien sollte man sich einen Blick in St. Peter gönnen. Nicht allein wegen Peter Paul Rubens’ berühmter „Kreuzigung Petri“ ist die Basilika aus dem Jahre 1515 einen Abstecher wert. Pater Friedhelm Mennekes hat hier schon Werke von Francis Bacon und Antoni Tàpies ausgestellt. Welch unerhört intensive Wirkung moderne Kunst im Kirchenraum zu entwickeln vermag, kann man hier erleben.
| Adresse: |
Museum Schnütgen (Köln)
Cäcilienstraße 29
50667
Köln
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| Telefon: | +49 (0) 221 2212 3620 |
| Internet: | www.museenkoeln.de![]() |
| Öffnungszeiten: | Di-Fr 10-17 Uhr, Sa / So 11-17 Uhr. |
| Eintrittspreise: | 3,20 €, erm. 1,90 €. |