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Schloss Ludwigsburg

Ludwigsburg
Schloss Ludwigsburg (Foto: Stuttgart-Marketing GmbH)
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Wenn Kammerdiener Johann mit gepuderter Silberperücke, Rüschenbluse, Gehrock und Wadenbundhosen seine neuzeitlichen Gäste mit auf eine heimliche Tour durchs über 300 Jahre alte Schloss nimmt, werden sie zurückversetzt ins Jahr 1809. Johann nutzt die Abwesenheit der Herrschaft zur privaten Führung. Die Besucher empfängt er konspirativ lächelnd auf der Königstreppe und gibt den Damen, die Röcke tragen, augenzwinkernd einige Tipps. Beim Hinaufsteigen sollten die Röcke seitlich gestrafft werden, wer ein Kleid trage, signalisiere amouröse Bereitschaft. Diese Schwaben!

Solche und weitere Einblicke in die höfische Welt gibt es während des Rundgangs auf unterhaltsame Weise. Am Ende wissen die Besucher: Es war ganz schön kompliziert, an einem Hof zu leben. Schloss Ludwigsburg ist das größte Barockschloss Deutschlands, 2004 jährte sich die Grundsteinlegung zum dreihundertsten Mal. Zuvor wurde es aufwändig restauriert, so dass es wieder im ursprünglichen Glanz erstrahlt. Es wird benutzt als Rahmen für gigantische Feuerwerke, Festspiele, Aufführungen im Schlosstheater – mit Originalkulissen und der alten Bühnenmaschinerie – und Ausstellungen.

Gleich drei neue Museen wurden im Jubiläumsjahr eingerichtet: Das Modemuseum zeigt Kleidung des 18. bis 20. Jahrhunderts, vom Reifrock zum Minirock. Das Keramikmuseum zeigt Porzellan, Fayence und Keramik herausragender Manufakturen im 18. und 19. Jahrhundert; Schwerpunkt ist das Ludwigsburger Porzellan, aber es gibt auch zeitgenössische Arbeiten. Die Barockgalerie präsentiert Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts aus den Beständen der Staatsgalerie Stuttgart, darunter Bilder, die noch nie zu sehen waren.

Stuttgart

Ursprünglich wollte sich der württembergische Herzog Eberhard Ludwig nördlich von Stuttgart ein bescheidenes Jagdschlösschen bauen. Als leidenschaftlicher Jäger brauchte er eine Unterkunft, weil der Weg zurück in die Stadt zu Pferde zu weit war. Aber er hatte nicht mit seiner Mätresse gerechnet, Wilhelmine von Grävenitz, die als „Landverderberin“ geschmäht wurde, weil sie das Geld der Untertanen mit vollen Händen ausgab. Sie wünschte sich ein prunkvolles Liebesnest – am Ende war es das größte Barockschloss eines deutschen Fürstenhofes mit 452 Räumen. Damit übertraf die Kokotte des Fürsten rechtmäßige Gemahlin, die im Alten Schloss wohnende Herzogin Johanna Elisabeth von Baden-Durlach.

Dem frommen Volk, dem solches zu Ohren kam, konnte das nicht recht sein. Ludwigsburg nannte es „Lumpenburg“. Wie Regenten damals schalten und walten konnten, zeigt Eberhard Ludwigs Vorgehensweise: Das 116 Morgen große Gelände raffte er einfach an sich – die Kirche, der es gehörte, erhielt keine Entschädigung. Von der Geistlichkeit bekam er sogar noch ein üppiges Darlehen, das er nie zurückzahlte. Auch die Bürger mussten sich beteiligen: 1719 wurde ausschließlich wegen des Schlossbaus das „Spatzengeld“ eingeführt. Jeder Untertan hatte pro Jahr 24 Spatzen an die Obrigkeit zu liefern. Wer das nicht schaffte, musste zähneknirschend sechs Kreuzer Strafgeld berappen. So füllte sich das Geldsäckel des sündigen Paares. Obwohl König Friedrich Wilhelm I. von Preußen anlässlich eines Besuchs dem Herzog zu verstehen gab, dass ihm seine Liaison mit der Mätresse und deren Großmannssucht missfielen, brachte der liebestrunkene Fürst einen gefälligen Tübinger Rechtsprofessor dazu, ihm per Gutachten zu bescheinigen, dass er in seiner Stellung eine Doppelehe eingehen könne. Das fadenscheinige Papier genügte ihm, um sich von einem Studenten der Theologie mit der Grävenitz trauen zu lassen.

Eberhard Ludwig brachte wegen seines wilden Treibens seine Untertanen so gegen sich auf, dass sogar die Hofprediger auf ihre Seite wechselten. Vierzehn von ihnen, unerschrockene Pietisten in der Hoffnung auf Gotteslohn, geißelten des Fürsten ehebrecherisches Verhalten und die Verschwendung am Hof – die meisten wurden rausgeworfen. Einem besonders Mutigen, Samuel Urlsperger, ließ der Fürst nach dessen Predigt mitteilen, dass er ihn fast „von der Kanzel herabgeschossen“ hätte. Demonstrativ verurteilte er den Hofprediger zum Tode, der später begnadigt wurde. Als ein anderer Hofprediger, sein Name war Osiander, die Mätresse vom Abendmahl ausschloss und sich weigerte – mit der Begründung, dass die siebte Bitte des Vaterunsers „...und erlöse uns von dem Bösen“ dies nicht erlaube –, die Grävenitz ins sonntägliche Fürbitt-Gebet aufzunehmen, wurde ihm sofort gekündigt, und er musste seine gutdotierte Stellung aufgeben.

So ging das in Ludwigsburg achtundzwanzig Jahre lang, dann gefiel dem Herzog die Mätresse nicht mehr. Er kam auf die Idee, sich mit seiner rechtmäßigen Gattin zu versöhnen, die 51-Jährige sollte ihm sogar noch einen Sohn schenken. Das gelang allerdings nicht mehr. Als Eberhard-Ludwig starb, erlosch die evangelische Linie des Hauses Württemberg. Sein Nachfolger Karl Alexander war im Dienst des Kaisers zum Katholizismus übergetreten. Er brachte aber den Bau des Ludwigsburger Schlosses zur Vollendung. Das Geld besorgte ihm der umtriebige jüdische Finanzhändler Süß Oppenheimer, der später hingerichtet und dessen Leiche in einem Käfig ausgestellt wurde. Die Grävenitz wurde 1732 genötigt, das Ländle zu verlassen. Aus der Ferne erhob sie wiederholt Geldforderungen. Der württembergische Landtag lehnte ab mit der Begründung: „Für das Mensch wird nichts bezahlt“.

Trotz der immensen Schwierigkeiten, mit denen der Bau des Ludwigsburger Schlosses einherging, wurde aus der Anlage letztlich doch das „schwäbische Versailles“. Die planmäßig angelegte barocke Fürstenresidenz begünstigte die Entwicklung Ludwigsburg, das 1709 Stadt wurde. Zweimal war Ludwigsburg Residenz, danach Garnisons- und Beamtenstadt. Verschiedene Baumeister waren zwischen 1704 bis 1733 mit dem Bau befasst, die schönsten Räume sind reich im Barock-, Rokoko- und Empirestil ausgestattet. Von besonderem Reiz sind die das Schloss umgebenden Gärten, teils als Barockgarten, teils als englischer Landschaftsgarten angelegt. Zu den besonderen Attraktionen gehört der Märchengarten, ein echter Publikumsmagnet.

Adresse: Schloss Ludwigsburg Schloßstr. 30
71634   Ludwigsburg
Telefon: +49 (0) 7141 182004
Internet: www.schloss-ludwigsburg.de(Externer Link)
Öffnungszeiten: Tgl. 10-17 Uhr, März-Okt. jede halbe Stunde Führung, Nov.-März auf Anfrage.
Eintrittspreise: 5 €, erm. 2,50 €.

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