

Seit ihrer Vollendung 1968 beweist die Neue Nationalgalerie, wie sehr sich architektonische Wagnisse lohnen. Auf einem wuchtigen Natursteinsockel thront der Stahlskelettbau, umsäumt von Außenskulpturen. Riesige Glasplatten bilden die Außenhaut des Museums, Tageslicht durchflutet das fast wandlose, obere Ausstellungsgeschoss. Dieser Raum alleine ist ein Kunstwerk. Da macht es fast nichts, dass die Exponate der hier ausgebreiteten Wechselausstellungen – darunter auch die musealisierte Giorgio Armani-Modenschau 2003 – nur schwer gegen die Herrschaftlichkeit der Architektur ankommen. Selbst Anselm Kiefers Bleiflugzeuge und Rebecca Horns kinetische Skulpturen hatten es da schwer in den neunziger Jahren. Ohnehin ist im fast doppelt so großen Untergeschoss auf 4.425 Quadratmetern genügend Platz für Sonderausstellungen von Picasso und Co. sowie die Bestände der Nationalgalerie. Im Rücken des Untergeschosses schließt sich direkt ein Skulpturengarten an, der im Sommer königliche Ruhe bietet.
Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz beauftragte Mies van der Rohe an seinem 75. Geburtstag 1961 mit dem Neubau einer Nationalgalerie im Westteil der Stadt. Zwei Sammlungen sollte sie beherbergen: zum einen die Werke aus der Alten Nationalgalerie, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Westen geblieben waren. Zum anderen die 1945 gegründete Sammlung der Galerie des 20. Jahrhunderts, die den Verlust von über 400 Werken der Moderne durch die Naziherrschaft wieder gutmachen sollte. Nach der Umstrukturierung der Museen im wieder vereinten Berlin beheimatet die Neue Nationalgalerie nun Skulpturen und Gemälde von Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die sechziger Jahre. Der Rundgang im Untergeschoss führt auf dämpfendem Teppich chronologisch – aber nicht lückenlos – durch siebzig Jahre westlicher Hochkultur.
Ein frühes Glanzlicht fällt dabei auf die Prostituierten am „Potsdamer Platz“, die der Expressionist Ernst Ludwig Kirchner 1914 düster und kantig auf der Leinwand festhielt. Ein Stück Stadtgeschichte wird hier ersichtlich und spürbar. Denn das verruchte Werk hängt nun ganz in der Nähe des neuen Potsdamer Platzes mit seinen Durchschnittsbauten und seiner Shopping-Mall – fernab von jeglichem Sexappeal. Zu den Kernstücken der Sammlung gehören elf Gemälde von Max Beckmann, die einen Querschnitt durch sein Schaffen von 1906 an bieten. Danach zeigen Otto Dix und George Grosz, wie man in Neuer Sachlichkeit gegen das Spießertum anmalte. Auch Hanna Höchs Dada-Collagen und -Montagen werden gebührend gewürdigt. Die üblichen Modernen folgen: Max Ernst, Paul Klee, Wassily Kandinsky. Informel, „l’art brut“ und die Gruppe „Cobra“ vertreten die Zeit des Wiederaufbaus der europäischen Malkultur. Den krönenden Abschluss bildet das terrorismusgeprüfte Riesenformat „Who’s afraid of Red, Yellow and Blue IV“, das letzte Gemälde des New Yorkers Barnett Newman.
| Adresse: |
Neue Nationalgalerie (Berlin)
Potsdamer Straße 50
10785
Berlin
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| Telefon: | +49 (0) 30 266 2651 |
| Internet: | www.smb.spk-berlin.de![]() |
| Öffnungszeiten: | Di-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr, Mo geschlossen. |
| Eintrittspreise: | 8 €, erm. 4 €. |
| Führungen: | Führungen bitte erfragen unter Tel. 030 2 66 36 66 oder fuehrungen@smb.spk-berlin.de |
| Nahverkehr: | Bus:
Kulturforum: N2, M48, M85 Philharmonie: 200, M41 Varian-Fry-Str.: 200, N2, M48, M85 Potsdamer Brücke: N1, N2, M29, M48, M85 |