

Wie wird ein Ort des maßlosen Leidens zu einer Stätte der Bildung und der Begegnung? Am besten wohl, indem man ihn enthüllt, erforscht, das Grauen behutsam dokumentiert. Damit jedoch hat sich Hamburg schwer getan. Gleich nach dem Krieg, 1948, baute die Stadt auf dem Gelände des Konzentrationslagers Neuengamme ein Gefängnis. Gegen den Protest ehemaliger KZ-Häftlinge. Um der Erinnerung wenigstens ein Bild zu geben, errichtete man 1953 eine Gedenksäule, 1965 ein Mahnmal. Schließlich, 1981, ein Dokumentenhaus. Die Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte begannen mit ihrer Arbeit vor Ort. Rekonstruierten in den Folgejahren das Plattenhaus, restaurierten das Klinkerwerk und das Kommandantenhaus und richteten in den Walther-Werken, einem ehemaligen KZ-Rüstungsbetrieb, eine beachtliche Dauerausstellung zur Geschichte des Konzentrationslagers ein. Erst jetzt aber steht mit der Verlagerung des Gefängnisses das gesamte, 50 Hektar große Areal mit 15 Originalgebäuden aus der KZ-Zeit der Erinnerungskultur zur Verfügung. Die Nachkriegsbauten sind abgerissen und die Baracken des ehemaligen Häftlingslagers wurden in Grundrissen kenntlich gemacht. Markierungen der Zaunverläufe und Standorte von Wachtürmen ermöglichen Besuchern, die Ausdehnung des Lagergeländes zu erfassen.
Im Mai 2005 wurde die neu gestaltete Gedenkstätte der Öffentlichkeit übergeben. Vier neue Dauerausstellungen bringen nun Licht in jene dunkle Zeit. Die Hauptausstellung zur Geschichte des KZs im Steinhaus des ehemaligen Häftlingsblocks beschäftigt sich mit Themen wie „Alltag und Arbeit“, „Vernichtung und Tod“ oder „Weiterleben nach der Befreiung“. Die Ergänzungsausstellung zur Zwangsarbeit in der Rüstungsproduktion ist in den ehemaligen Walther-Werken zu sehen. Unter dem Titel „Arbeit und Vernichtung. KZ-Zwangsarbeit in der Ziegelproduktion“ berichtete die Schau im Klinkerwerk etwa von wirtschaftlichen Interessen der SS. Eine Studienausstellung in den ehemaligen SS-Garagen bietet Hintergrundinformation zur Lager-SS und ihren Verbrechen. Im historischen Klinkerbau befindet sich das Studienzentrum mit Präsenzbibliothek, Veranstaltungsraum und zwei Filmräumen. Mehr als 30 Filme geben Auskunft über die Bedingungen im Lager. Auch Berichte der Überlebenden kann man sich hier anhören. Es sind schreckliche Geschichten. In der Zeit von 1938 bis 1945 waren im Konzentrationslager Neuengamme insgesamt 106.000 Menschen inhaftiert. Deportierte zumeist, aus allen besetzten Ländern Europas. Unter mörderischen Bedingungen mussten sie Schwerstarbeiten für die Kriegswirtschaft leisten. Mehr als die Hälfte von ihnen, insgesamt 55.000 Menschen, starben an Hunger und Entkräftung. Oder wurden erhängt, erschossen, vergast. Zu schweigen von all den Demütigungen, die allein schon reichen, um einen Menschen zu zerbrechen.
Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme, eine Einrichtung der Kulturbehörde Hamburg, will mehr, als die Erinnerung an den finsteren Teil der Geschichte wach zu halten. Sie will ein Ort der aktiven Auseinandersetzung mit der Shoa und mit Menschenrechtsverletzungen in Vergangenheit und Zukunft sein. Ein umfassendes museumspädagogisches Programm trägt zur Beschäftigung mit diesen Themen bei.
| Adresse: |
KZ-Gedenkstätte Neuengamme (Hamburg)
Jean-Dolidier-Weg 75
21039
Hamburg
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|---|---|
| Telefon: | +49 (0) 40 428 131500 |
| Internet: | www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de![]() |
| Öffnungszeiten: | Mo-Fr 9.30-16 Uhr,Sa und So 12-19 Uhr, Okt.-März bis 17 Uhr. |