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Naumburger Dom

Naumburger Dom
Naumburger Dom (Foto: www.pixelio.de)
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Uta hat den gewissen Blick. Sie visitiert ihr Gegenüber über den Garbokragen ihres eleganten Tuchs hinweg, augenzwinkernd, wenn man genau hinschaut. Solch majestätisch aufgestemmte Gesteinswucht hätte niemand nach Betreten des Domes erwartet. Weit über 100.000 Besucher kommen pro Jahr nach Naumburg, um die einstige Gräfin von Ballenstedt zu betrachten. Domführer wissen von anrührenden Huldigungsszenen zu berichten, wenn Gruppen ins Lichtgrau des sakralen Chorgestühls eintauchen. Dort becirct die deutsche Ikone von einer vier Meter hohen Brüstung herab seit mehr als 700 Jahren die Männlichkeit und irritiert die Weiblichkeit. Die lebendige Darstellung durchbricht die übliche mittelalterliche Bildhauerkunst.

Uta gehört zur Gruppe der zwölf Dom-Stifter. Doch sie sieht ganz anders aus als die Rest des Stifter-Personals. Die berühmteste Einwohnerin der Stadt wurde um 1250 von einem „Naumburger Meister“ angefertigt. Als die ursprünglich farbige Statue enthüllt wurde, soll es über die despektierliche Art, eine Fürstin als Diva darzustellen, einen Skandal gegeben haben.

Leipzig

Mit Uta begann das zweite Jahrtausend: Sie soll in der Nacht geboren sein, als der neue Zeitabschnitt einsetzte. Schnee mit Blut vermischt soll vom Himmel gefallen sein. Die Menschen bibberten in apokalyptischen Ängsten. Nach dem Tod des Frankenkönigs Karls des Großen war dessen europäisches Reich zerfallen, der Streit der Fürsten um Vorherrschaft führte zu einer latenten Dauerkrise. Erst mit der jugendlichen Uta kam wieder Hoffnung auf. Sie war noch halbwüchsig, als sie mit Ekkehard verlobt wurde, der im Dämmer wie ein Tropf neben ihr hängt, mit dicklichem Gesicht im Lockengewirr, Schild und Schwert. Ihm wird der Ausbau der Residenz zugeschrieben, doch Historiker wissen, dass der Herzog von Thüringen von Uta inspiriert war.

Auf einem Plateau über der Saale residierte das Fürstenpaar in der Neuen Burg. Wie ein Keil hat sich die Stadt Naumburg auf dieser Terrasse, der Saaleaue, zwischen die beiden Flüsse Saale und Unstrut geschoben, die an der nördlichen Seite der Stadt zusammenfließen. Die Ekkehardinger – und mit ihnen auch Uta – begannen mit dem Dombau, um 1040 war ein Vorgängerbau von St. Peter und Paul abgeschlossen, die Weihe wurde zelebriert. In den Jahrhunderten darauf wurde der Dom ständig vergrößert und zum Konglomerat verschiedener Bauepochen, eines der größten Gotteshäuser des Kontinents. Kostbar sein Inhalt: reich geschmückte Chöre, Kreuzgänge, Seitenschiffe und Querhäuser, Altäre und Lettner, Bündelpfeiler und plastischer Dekor. Und alles durchweht von der meditativen Stille des Mittelalters.

Adresse: Naumburger Dom Domplatz 16
06618   Naumburg
Telefon: +49 (0) 3445 23 0110
Internet: www.naumburger-dom.de(Externer Link)
Öffnungszeiten: März-Okt Mo-Sa 9-18, So 12-18 Uhr, Nov-Feb 10-16 Uhr, So 12-16 Uhr.
Eintrittspreise: 4 €, erm. 3 €, Schüler 2 €.
Führungen: Deutschsprachige Führungen sind jeweils zur vollen Stunde möglich. Voranmeldungen unter 03445 19433.
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