

Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein wollte Darmstadt groß und berühmt machen. 1899 berief er sieben Künstler, alle blutjung, der jüngste gerade 21, damit sie eine Künstlerkolonie bildeten. Innerhalb weniger Jahre katapultierte sich die südhessische Residenzstadt in die künstlerische Fortschrittsbewegung und avancierte zu einem Zentrum des europäischen Jugendstils. Bis etwa 1914 war man auf der Mathildenhöhe wie im Rausch. Das Museum Künstlerkolonie leuchtet diese dramatische Zeit aus, stellt in einer Dauerausstellung die Protagonisten vor und weist nach, welcher Schwung durch sie in die europäische Kunstszene kam.
Herausragend im „Bund der Sieben“ war Joseph Maria Olbrich, der forderte: „Eine Stadt müssen wir bauen.“ Der Lebensreformgedanke sollte sich materiell manifestieren, es ging, wie pathetisch formuliert wurde, um die „Sehnsucht nach der Schönheit aller Lebensformen, die alle geistig Erweckten unserer Zeit durchbebt“. Auch im Entwerfen von Möbeln, Geschirr, Gläsern, Schmuck und grafischen Arbeiten wurden Zeichen gesetzt. Die Kolonisten erbauten die Mathildenhöhe mit dem markanten Hochzeitsturm und seinen fünf Dachfingern, im Volksmund „Old Schwurhand“ genannt, und Wohnhäuser mit floralen, teils theatralischen Fassadenelementen. Die kunstsinnige Bauwut dieser Aktivisten, die den seinerzeit populären Historismus als rückwärtsgewandt attackierten, produzierten in einer schier unfassbaren Schaffensekstase ein komplettes Ensemble. Sie sind noch vollständig abzuspazieren, die Hinterlassenschaften eines kurzen, aber schönen Traums.
| Adresse: |
Museum Künstlerkolonie und Mathildenhöhe (Darmstadt)
Mathildenhöhe
64287
Darmstadt
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| Telefon: | +49 (0) 6151 133385 |
| Internet: | www.darmstadt.de![]() |
| Öffnungszeiten: | Di-So 10-18 Uhr. |
| Eintrittspreise: | 3 €, erm. 2 €. |