

Wer sich für die Kunst des 20. und des 21. Jahrhunderts interessiert, der wird sich im Museum Ludwig zu Hause fühlen. Dieses Schatzhaus der Moderne bietet seinen Besuchern einen lückenlosen Spaziergang durch die verschiedenen Kunstrichtungen diesseits und jenseits des Atlantiks. Mit der vielleicht weltbesten Sammlung amerikanischer Pop-Art hat sich das Museum zum Publikumsmagneten entwickelt, aber es bietet noch viel mehr. Neben dem Münchner Lenbachhaus zählt die im Museum Ludwig untergebrachte Josef-Haubrich-Sammlung zu den interessantesten Werkkomplexen des deutschen Expressionismus. Der Rechtsanwalt hatte Werke von Kirchner, Heckel, Kokoschka, Macke und Schmidt-Rottluff während des Krieges vor dem Zugriff der Nazis bewahren können.
Die Qualität privater Sammlungen hängt, abgesehen von den Finanzen, entscheidend vom Geschmack der Sammler ab. Peter und Irene Ludwig statteten ihre Sammlung nicht alleine mit vielen umsichtigen Käufen aus, sondern sie erwarben zumeist auch die wichtigen Arbeiten renommierter Künstler. Nicht nur bei der Pop-Art gelang ihnen dieses Kunststück mit Werkkomplexen von Warhol, Johns, Rauschenberg, Lichtenstein, Segal und Rosenquist. In einzigartiger Breite sind auch Arbeiten der russischen Avantgarde mit Malewitsch, Rodtschenko und El Lissitzky vorhanden. Ob Kubismus, Futurismus oder Surrealismus, im Museum Ludwig lässt sich die Entwicklung der Modernen Kunst auf höchstem Niveau verfolgen. Das Bauhaus ist mit Klee, Schlemmer und Feininger vertreten, die Skulpturenabteilung enthält Moore, Arp, Maillol und mit dem abstrakten Expressionisten Pollock und den Colour-Field-Paintings von Rothko finden sich Beispiele der großen Umwälzungen nach dem Krieg. Newman und Stella sind mit herausragenden Werken zu bewundern. Europa wurde derweil mit Spitzenwerken von Dubuffet, Wols und Hartung nicht vergessen.
Zum Politikum wurde die Leidenschaft des Ehepaars Ludwig, als die beiden ihre einzigartige Picasso-Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich machen wollten. 150 Gemälde, Gouachen und Skulpturen sowie 680 grafische Blätter brachten die Ludwigs in den neuen Museumskomplex am Dom ein, der 1986 als gemeinsames Haus für ihre Sammlung und die des Wallraf-Richartz-Museums geplant worden war. An die Schenkungen und Dauerleihgaben, die das Ehepaar den Kölnern offerierte, verband man jedoch die Forderung, das Haus alleine bespielen zu dürfen. Während das Wallraf- Richartz-Museum in das neue, von Oswald Mathias Ungers entworfene Domizil am Gürzenich zog, residiert die Moderne Kunst nun zu Füßen des Doms. Einziger Gast ist das Agfa-Foto-Historama, eine ständig wachsende Sammlung historischer Kameras, die Aufschluss über die Entwicklung der Fototechnik seit 1840 gibt.
Das Architektenduo Peter Busmann und Godfrid Haberer verlieh durch die zinkblechverkleideten Sheddächer in Kombination mit rotem Backstein dem Stadtpanorama einen neuen, eigenwilligen Akzent. Während das Museum von außen mit seinen an die Industriearchitektur erinnernden Dächern den plebejischen Aspekt der Kölner Stadtgeschichte betont, stellt es sich in seinem Inneren als eine raffiniert entworfene Heimstatt für Moderne Kunst dar. Überall ist Bewegung spürbar. Zudem eröffnen sich überraschende Perspektiven auf den gotischen Steinwald des Ostchors – das Prunkstück – des Doms. Die Kunst des 20. Jahrhunderts thematisiert das Bewegungselement in unzähligen Varianten – hier erlebt man es konkret, beim Blick auf den vorbeiströmenden Rhein oder die Züge des nahen Hauptbahnhofes, dessen neue Eisendächer ebenfalls von Busmann und Haberer entworfen wurden. Als schlichtweg genial ist die Idee zu bezeichnen, in den Museumskomplex eine Philharmonie zu integrieren.
| Adresse: |
Museum Ludwig (Köln)
Heinrich-Böll-Platz
50667
Köln
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| Telefon: | +49 (0) 221 2212 6165 |
| Internet: | www.museenkoeln.de![]() |
| Öffnungszeiten: | Di-So 10-18 Uhr, jeden 1. Freitag im Monat 10-22 Uhr. |
| Eintrittspreise: | 9 €, erm. 6 €. |