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Moritzburg (Halle)

Moritzburg Halle
Moritzburg (Foto: Stiftung Moritzburg)

Seit 100 Jahren zeigt die Moritzburg die städtische Kunstsammlung. Sie hat sich dabei von Anfang an mit Leidenschaft um Zeitgenossen gekümmert. 2004 wurde sie in eine Stiftung des Landes Sachsen-Anhalt umgewandelt, was dem Haus mehr Freiheit garantiert. Ein Problem kann damit aber nicht gelöst werden: Raumnot. Gerade mal fünf Prozent der Schätze, darunter die vielleicht wichtigsten ostdeutscher Kunst, kann im neugestalteten Kuppelsaal gezeigt werden. Schuld am ungenügenden Platzangebot ist der Dreißigjährige Krieg, der Teile der Burganlage aus der Frührenaissance zerstörte. Für das Museum blieben nur Südflügel und Wehrgang.

Der Umbau der Ruine des Westflügels ist in vollem Gange (übrigens als BauKunstStelle unter dem Motto "Betreten erbeten!"). Eine verheißungsvolle Entwicklung, dieses 15 Millionen Euro teure Projekt in einer Stadt, die von wirtschaftlicher Depression geplagt ist. Aber die Weichen sind richtig gestellt: Die Investition in den Museumsbau wird eine ungesehene Sammlung präsentieren können – für Kunstfans eine große Überraschung.

Leipzig

Die Moritzburg entstand ursprünglich als Kastell der Magdeburger Erzbischöfe im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts. Seit 1897 ist es Sammlungsort. Bis zur Machtergreifung der NS-Herrschaft galt die Moritzburg als eines der führenden deutschen Museen der Moderne. Der junge Museumsdirektor Max Sauerlandt betrieb diese Sammelpolitik gegen allen lokalen Widerstand und selbst gegen die harschen Ausfälle von Wilhelm von Bode, Generaldirektor der Berliner Museen, der dem Jungspund Vergeudung kommunaler Mittel vorwarf, aber in Wirklichkeit gegen die „Kunst der Allermodernsten“ zu Felde zog, die er nicht verstand. Trotzdem kamen Noldes, Haeckels, Kirchners und Feiningers zusammen, bis 1935 selbsternannte „Kunstfreunde“ den Geist der NS-Zeit nutzten, um gegen jüdische und moderne Maler zu stänkern.

Die Modernen wurden in eine „Schreckenskammer“ verbannt, die muffige Faschistenideologie benutzte sie gar zu propagandistischen Schaustellungen. Dem Ende der dreißiger Jahre folgenden Bildersturm, der mit der Berliner Bücherverbrennung einher ging, fiel die Sammlung des Expressionismus zum Opfer. Viele Bilder wurden ins Ausland verschleudert, weil sie als abartige Kunst galten und um die Künstler zu demütigen. So wurde Noldes „Abendmahl“, auf 30.000 Reichsmark geschätzt, für 2.500 Mark verscherbelt. Für andere Bilder wurde sogar viel mehr geboten, als sie kosten durften. 2003 konnten die Gemälde Noldes wieder zurück gekauft werden, auch solche von Haeckel und Feininger. Es spricht für die mitteldeutsche Kulturpolitik, dass dafür mehrere Millionen Euro genehmigt wurden.

Adresse: Moritzburg (Halle) Friedemann-Bach-Pl.  5
06108   Halle
Telefon: +49 (0) 345 212590
Internet: www.kunstmuseum-moritzburg.de(Externer Link)
Öffnungszeiten: Di 11-20.30, Mi-So 10-18 Uhr.
Eintrittspreise: 4 €, erm. 2 €, ab 17 Uhr halber Preis, am letzten So im Monat frei.

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