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Museum für Kunst und Gewerbe (Hamburg)

Museum für Kunst und Gewerbe
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (Foto: Museum für Kunst und Gewerbe / Aloys Kiefer)
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"Das gelbe Schloss über den Gleisen" nennen die Hamburger liebevoll das prächtige Gebäude nahe dem Hauptbahnhof. Ein König residierte hier nie. Aber den Gründervätern schien in der Mitte des 19. Jahrhunderts für Kunst und Bildung wohl nur recht und billig, was sonst einem Fürsten geziemte. Und so errichteten sie im Stil der Neorenaissance 1847-77 das Haus für verschiedene Schulen und ein kunstgewerbliches Museum. Dem stand zunächst nur das Erdgeschoss für eine bereits beträchtlich angewachsene Sammlung zur Verfügung. Justus Brinckmann, der Gründer und erste Direktor des Museums für Kunst und Gewerbe, hatte sie mit Unterstützung von Hamburger Bürgern zusammengetragen. Und hartnäckig für einen Museumsbau gekämpft. Kaum eingezogen allerdings, klagte er schon über "lähmende Raumnot". Was den großen Museumsmann keineswegs hinderte, ein Objekt nach dem anderen zu erwerben. Brinckmann sammelte klassische europäische Kunst von der Spätantike bis in seine Zeit, angewandte Kunst Japans und der islamischen Welt, seine Liebe galt der europäischen Keramik, seine Leidenschaft Plakaten und vor allem dem Jugendstil. Bei der Pariser Weltausstellung im Jahre 1900 kaufte er großzügig ein und stellte die erworbenen Objekte zu einem Gesamtkunstraum zusammen. Unter seinem universalen Blick wuchs die Sammlung zu einer vielfältigen, Kunstlandschaften und Stilepochen vereinenden Präsentation.

Hamburg

Diese Vielseitigkeit zeichnet das Hamburger Museum auch heute noch aus. Als eines der Führenden seiner Art in Europa präsentiert es auf drei Etagen europäische Kunst von der Antike bis zur Gegenwart, eine wunderbare Sammlung ostasiatischer Werke, modernes Design, Grafik und Fotografie. Vorzüglich lassen sich hier die Beziehungen zwischen Kulturen und Epochen erfahren. Etwa die Entwicklung der Renaissance aus dem Formenvokabular des römisch-griechischen Altertums, orientalische Einflüsse auf Gestalter des Mittelalters oder die enge Verknüpfung zwischen Jugendstil und japanischer Formgebung. Dazu kommt mit zahlreichen Sonderpräsentationen eine rege Ausstellungstätigkeit. Die Geschichte der Russischen Avantgarde wird hier genauso anschaulich ausgebreitet wie die Zeit der Etrusker, herausragende Fotografie von Irving Penn oder Peter Lindbergh, Werke der Hamburgischen Sezession genauso wie Graffiti einer Hamburger Sprayergruppe. Ein äußerst lebendiges Museum also, das zudem fast täglich mit Veranstaltungen wie Führungen, Vorträgen, Konzerten oder Lesungen aufwartet.

Eine besondere Stellung nehmen da die musikalischen Führungen durch die weltweit einzigartige Sammlung historischer Tasteninstrumente ein. Sie umfasst mehr als 150 Clavicorde, Cembali, Spinette und Hammerflügel aus fünf Jahrhunderten. Und kam als Geschenk des Musik- wissenschaftlers Andreas Beurmann ins Museum. Sie befindet sich im Neubau des Museums, dem Schümann-Flügel.

Die Beletage und der erste Stock beherbergen 90 der herrlichen Instrumente. Im Untergeschoss befindet sich die Bibliothek mit Lesesaal, im ersten Stock das vortreffliche Museumsrestaurant "Destille" und im zweiten Stock hat das "Forum Gestaltung" Quartier bezogen. Unter wechselnden Themen vereinen sich hier auf 600 Quadratmetern Produkt- und Industriedesign, Mode und Textilien, Fotografie, Kunsthandwerk und Grafikdesign zu einem Gesamtbild aktueller Entwicklungen.

Mit dem Neubau hat auch das alte Haus an Übersichtlichkeit gewonnen. So bietet ein Rundgang durch das zweite Obergeschoss anhand von Möbeln, Schmuck und Grafik einen Überblick über das Design der vergangenen 50 Jahre. Auch die fotografische Sammlung, ein weiteres Glanzlicht des Hauses, hat hier ihre Schauräume. Daneben präsentiert das "Forum Fotografie" Ausstellungen aktueller Fotokunst.

Manche Schätze aus den Archiven konnten mit der Neuordnung überhaupt erstmals präsentiert werden. So die wertvolle Plakatsammlung von ersten Handdrucken der britischen "Beggarstaff Brothers" aus dem Jahr 1884 über Werke des Jugendstils und der russischen Avantgarde bis hin zur internationalen zeitgenössischen Plakatkunst. Auch die überaus reiche Sammlung Mode und Textil ist nun immerhin in Teilen in wechselnden Präsentationen zu bestaunen. Insgesamt umfasst die Modekollektion des Museums 48.200 Objekte aus anderthalb Jahrtausenden. Beginnend bei einer ägyptischen Kindertunika aus dem fünften bis sechsten Jahrhundert bis zum Designerkleid unserer Tage.

Vorzüglich auch die Jugendstilsammlung, wohl die beste in Deutschland. Ihr Zentrum, das von Brinckmann komponierte "Pariser Zimmer", umgeben zahlreiche Beispiele schlanker Eleganz. Vom zierlichen Haarkamm oder Schmuck bis zu Gefäßen, Möbeln und Skulpturen.

Einen glanzvollen Anziehungspunkt im Erdgeschoss bildet der Spiegelsaal (1909/10). Gerettet aus dem ehemaligen Budge-Palais am Harvestehuder Weg, dient der Prunkraum heute dem Museum unter anderem für seine zahlreichen musikalischen Veranstaltungen.

Fotografie, Mode, Möbeldesign und Grafik sind mit der jüngsten Einrichtung des Museums, dem "Im Hubertus Wald Kinderreich", jetzt auch den Kleinen zugänglich. Und zwar handgreiflich. Der betreute Hand-on-Bereich bietet auf 250 Quadratmetern eine Wunderwelt mit Fühltunnel, Verwandelwäldchen und der Von-oben- Kamera. Hier können Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren formen, erfinden, fotografieren, trickfilmen oder sich verkleiden. Der Eintritt ist unter 18 Jahren kostenlos.

Adresse: Museum für Kunst und Gewerbe (Hamburg) Steintorplatz 
20099   Hamburg
Telefon: +49 (0) 40 428 134 2732
Internet: www.mkg-hamburg.de(Externer Link)
Öffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr, Do 10-21 Uhr.
Eintrittspreise: 8 €, erm. 5 €, Familienkarte 13 €, Di ab 16 Uhr und Do ab 17 Uhr 5 €.

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