

In der Epoche seiner Gründung war das 1853 aus der Taufe gehobene Diözesanmuseum als eine Art Kaderschmiede konservativ-christlichen Kunstverständnisses konzipiert worden. Die gotische Kunst galt als idealer Ausdruck christlicher Inhalte, und dem Museum sollte die Aufgabe zufallen, mit seiner Sammlung ein Vorbildrepertoire für die Arbeit zeitgenössischer Künstler bereitzustellen. 1990 ging das Museum jedoch von privater Trägerschaft in die Zuständigkeit des Erzbistums über, und damit änderte sich seine Konzeption so grundlegend, dass die exzellente Sammlung christlicher Kunst vom Mittelalter bis heute zu einer der innovativsten Institutionen der Kölner Museumslandschaft wurde.
Der neue Sammlungsschwerpunkt ist die zeitgenössische Kunst und deren individuelle Bildsprache. Mittelalter und Moderne werden in einen Dialog gesetzt. Tatsächlich ist es gelungen, die Alte Kunst mit ihrer komplexen Ikonographie so geschickt zu präsentieren, dass die Besucher die weltlichen Anteile in den Darstellungen, etwa der Madonnenfiguren, konkret entdecken können.
Zu den Schätzen des Museums zählen Stephan Lochners „Veilchenmadonna“ von 1440 und die archaisch wirkenden Marienfiguren aus Pingsdorf und Dattenfeld, die aus dem 12. und 14. Jahrhundert stammen. Das „Herimannkruzifix“ mit seinem römischen Lapislazuliköpfchen ist ein Kleinod der Sammlung, die ihre Stärken in der Malerei, Plastik und Goldschmiedekunst des 11. bis 16. Jahrhunderts hat. Konsequent geht man aber auch auf die Moderne zu und präsentiert Arbeiten von Georges Rouault, Ernst Barlach, Otto Dix, Joseph Beuys und Antoni Tàpies.
Nach zehnjähriger Planungs- und Bauzeit wurde im September 2007 Peter Zumthors Kolumba eingeweiht, ein heller Backsteinbau, der die Überreste der einstigen Kirche St. Kolumba ebenso integriert wie die 1949 errichtete, achteckige Kapelle der „Madonna in den Trümmern“. Eine geradezu auratische Ausstrahlung hat dieser Raum, in dem ein Steg in Zick-Zack-Linie über die mittelalterlichen Fundamente führt und das Licht durch die perforierten Außenmauern einfällt. Hier lässt sich ein Querschnitt durch die Stadtgeschichte auf wenigen Quadratmetern hautnah erleben. Die Sammlung selbst hat ihren Platz in durchdachten Rauminszenierungen, in denen sich das Nebeneinander von religiöser und profaner Kunst souverän entfalten kann. Ort, Sammlung und Architektur bilden einen Dreiklang, wie man ihn sich stimmiger kaum vorstellen kann.
Ein Höchstmaß an Innerlichkeit und Meditation verspricht die ungewöhnlich sparsame Bestückung, denn im Kolumba hat man nichts weniger als eine Starparade der Kunst im Sinn. Das Haus und die Werke leben von Zwiegesprächen, wie sie sich etwa zwischen der spätmittelalterlichen „Madonna mit dem Veilchen“ und Josef Albers' gelb-strahlender "Huldigung an das Quadrat" aus dem Jahr 1962 oder Andy Warhols "Crosses" und einem Schmerzensmann aus dem frühen 16. Jahrhundert ergeben. Der Blick aus den Fenstern eröffnet reizvolle Perspektiven auf das Stadtbild. Die Beschränkung auf eine gehaltvolle Auswahl ermuntert zum genauen Hinsehen und zum kontemplativen Erleben. Da ist es nur konsequent, dass auf eine Beschilderung der Exponate verzichtet wird, damit Besucher nicht in ein didaktisches Korsett gespannt werden.
Wer Gefallen an der ruhigen und klaren Architektursprache des Schweizers Peter Zumthor gefunden hat, dem sei ein Besuch der Bruder-Klaus-Kapelle in der Eifel empfohlen, die parallel zum Museumsbau entstanden ist. Die kleine Feldkapelle in Wachendorf, die ein ortsansässiger Bauer "aus Dankbarkeit für ein gutes und erfülltes Leben" auf einer kleinen Anhöhe errichtet hat, sieht von weitem wie ein monumentaler Gedenkstein aus, den man durch eine Stahltür betritt. Über 100 Baumstämme ließ Zumthor im Inneren zu einer zeltartigen Konstruktion aufrichten. Von außen wurde Stampfbeton gegen die Holzverschalung gegossen; anschließend wurden die Stämme drei Wochen lang einem Köhlerfeuer ausgesetzt. 350 mundgeblasene Glastropfen verschließen die Bundöffnungen, die zur Verbindung der äußeren mit der inneren Holzschalung notwendig waren. Die Atmosphäre in der modernen Wallfahrtskirche ist unbeschreiblich und zieht inzwischen mehr Besucher an, als den Anwohnern lieb ist.
| Adresse: |
Kolumba (Köln)
Kolumbastraße 4
50667
Köln
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| Telefon: | +49 (0) 221 933193 0 |
| Internet: | www.kolumba.de![]() |
| Öffnungszeiten: | Mi-Mo 12-17 Uhr. |
| Eintrittspreise: | 5 €, erm. 3 €, bis 18 Jahre frei. |