

Den futuristisch anmutenden Ergänzungsbau der Neuen Staatsgalerie hat sich das Land zu seinem 50. Geburtstag 2002 zum Geschenk gemacht. Er liegt inmitten der so genannten Kulturmeile und vollendet das Ensemble Neue Staatsgalerie und Musikhochschule. Diesem Museum haftet nichts Staubtrockenes an. Die Geschichte der beiden verwaltungsmäßig, aber nicht mit den Herzen seiner Bewohner zusammengewachsenen Länder Baden und Württemberg wird hier mit Pfiff und Würze abgefeiert. Mit Ironie wird man der uralten „Feindschaft“ von Badenern (Badensern) und Württembergern (Schwaben) gerecht. Da wird geflachst über Brezel und Kehrwoche, Weinambitionen – der gute Tropfen gilt in beiden Teilländern als Lebenssaft – und Dialekteigenarten.
Die Exponate sind witzig zueinander geordnet. Vieles wusste man zwar irgendwie schon, aber hier wird es sortiert und in Zusammenhänge gebracht. Der Besucher spürt beim Rundgang: Das sind schon zwei ganz eigene und eigenwillige Stämme da im äußersten Südwesten Deutschlands. Dass es doch irgendwie zusammen geht, ist eine respektable Leistung auf beiden Seiten. Das Konzept setzt auf einen assoziativen Dialog mit dem mündigen Betrachter, der sich sein eigenes Urteil bilden soll. Den Beginn der Bildung eines gemeinsamen Landes markiert das Jahr 1790, als mit der Französischen Revolution der Zerfall des alten Reiches eingeleitet war. Aus dessen Trümmern formierten sich 1806 das Großherzogtum Baden, das Königreich Württemberg sowie die Fürstentümer Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern-Sigmaringen.
Was Kleinstaaterei bedeutet, wird grandios an einer Inszenierung festgemacht: Der Besucher muss im Anfangsbereich des Parcours über eine Landkarte schreiten, die das in Hunderte Herrschaften zersplitterte Territorium von 1790 zeigt. Er gelangt danach auf eine Freitreppe von formidabler Theaterbühnen-Opulenz, auf der er die Porträts der neuen Herrscher betrachten kann, dann erst beginnt die Dauerausstellung. Zwei Stockwerke sind als langgestreckte Black Boxes angelegt, bunt gefüllt mit Exponaten, denen der Besucher körperlich nahe kommt, weil es gar nicht anders geht. Schrifttafeln im bläulichen und rötlichen Halbdunkel liefern Erklärungen oder Erläuterungen. Ganz unterschiedliche Geschichten werden hier nebeneinander erzählt. So wird dem Besucher beispielsweise in der Abteilung der Weltkriege in einer extrem verdichteten Abfolge von in die Wand eingelassenen Schaukästen die Verbundenheit von Täter- und Opferschicksalen vorgeführt. Nachkriegsbiographien erhellen, was aus Überlebenden des Naziterrors und aus Altnazis wurde, die zu Unternehmern avancierten. Dabei wird der größere deutsche Zusammenhang kaum ins Auge gefasst, es bleibt bei der Konzentration auf das eigene Bundesland.
Aufklärerisch ist die Aufbereitung der Nachkriegsgeschichte mitsamt der Bedrohung der jungen Bundesrepublik durch den Terrorismus. Nicht umsonst liegen die Gefängnisse, in denen gefasste Terroristen in Hochsicherheitstrakten einsaßen, auf dem Gebiet Baden-Württembergs: Stammheim, Obrigheim und Wyhl. Die ganze Phase des Hochterrorismus wird dargestellt mit seinen Ausläufern, den gewalttätigen Auseinandersetzungen um Atomkraft und Umweltzerstörung, das Aufbegehren der Achtundsechziger und die dadurch hervorgerufenen Stimmungsänderung auch im Ländle.
In der zweiten Etage geht es ausschließlich um spezifisch Südwestdeutsches, angefangen von Immigrantenschicksalen aus dem Schwarzwald – Schautafeln sind in Baumstämme eingelassen – bis zur Phase, als Deutschland und vor allem dieses Bundesland als „Wirtschaftswunderland“ galten und die Universitäten, die mit ihren besten Köpfen vertreten sind, einen Aufschwung erlebten. Auch die jahrhundertealte deutsch-französische Erbfeindschaft, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg endgültig ad acta gelegt wurde, Installationen einheimischer Künstler, die in regelmäßigen Abständen gewechselt werden, und Hunderte von Hochzeitsfotos, die Bürger des Landes zur Verfügung stellten und die wohl den Glauben an die Zukunft versinnbildlichen sollen, spielen eine Rolle.
| Adresse: |
Haus der Geschichte Baden-Württembergs (Stuttgart)
Konrad-Adenauer-Str. 16
70173
Stuttgart
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| Telefon: | +49 (0) 711 212 3989 |
| Internet: | www.hdgbw.de![]() |
| Öffnungszeiten: | Di/Mi/Fr-So 10-18, Do 10-21 Uhr. |
| Eintrittspreise: | 3 €, erm. 2 €. |