

Als eine „Bühne der Gegenwart, auf der sich Geschichte darstellen lässt“ versteht sich das Hamburgmuseum. Errichtet 1914 bis 1923 von dem Architekten Fritz Schumacher, besitzt es rund 5,5 Millionen Sammlungs- stücke. Seine Bedeutung für Hamburg ist aber deshalb so groß, weil sich an den Baudenkmälern der Stadt die Historie kaum weiter als bis in das 19. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Denn der große Brand von 1842 zerstörte drei Viertel der Stadtfläche. Der Zweite Weltkrieg tat ein Übriges. So kann das in den Innenhof des Museums integrierte Portal der Hauptkirche St. Petri aus dem Jahr 1604 als kostbare Rarität gelten. Ebenso wie Teile des 1806 abgerissenen Mariendoms, zu sehen in der Mittelalterabteilung des Hauses. Außerdem besitzt das Museum einen herausragenden Bestand mittelalterlicher Sakralskulptur.
Wie also sah Hamburg im Mittelalter aus? Mit der Frühzeit umfasst die Schau eine Zeitspanne vom 9. bis zum 14. Jahrhundert. Im Zentrum steht der Nachbau einer Kogge. Betreten ist ausdrücklich erwünscht, denn im Inneren gewinnt man einen Eindruck vom Handel und seinen Gefahren in frühen Zeiten. Insbesondere die Seeräuber machten den Händlern das Leben schwer. Die Strafe war entsprechend hart. Darüber geben zwei als männlich identifizierte Schädel aus der Zeit zwischen 1350 und 1500 Auskunft. Auf Pfähle gespießt berichten sie vom grausigen Ende der Piraten vor dem Scharfrichter. Um das Schiff herum gruppieren sich Objekte zum sakralen Hamburg oder zu Hamburg als Hansestadt. Hier weist das Modell einer Bierbrauerei auf die außerordentliche Bedeutung dieses Gewerbes für die Stadt hin. Um 1400 gab es 500 Brauereien in Hamburg. Man schätzt, dass damals mehr als die Hälfte der etwa 5.000 Einwohner in Verbindung mit diesem Handwerk beschäftigt waren.
Den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit dokumentiert eine Nachgestaltung des Börsenplatzes von 1558. Von hier aus kann man sich dem 17. Jahrhundert zuwenden. Der Schiffsbaueraltar oder die Kaufmannsdiele zählen zu den besonderen Sehenswürdigkeiten der Abteilung. Wie es in bürgerlichen Wohnhäusern zwischen 1600 und 1900 aussah, zeigen eine Reihe von Hamburger Zimmern aus dieser Zeit. Üppige Wandgemälde, Alabasterfußböden, Tapeten und Einrichtungen sind allesamt aus den ursprünglichen Bauten in das Museum versetzt worden. Weitere Präsentationen handeln vom kulturellen und geistigen Leben in der Hansestadt. Besonders hervorzuheben ist die Abteilung „Juden in Hamburg“. Umfassend spiegelt sie das Leben der jüdischen Bevölkerung. Das kontemplative Herzstück der Ausstellung ist der nachgebildete Innenraum einer Synagoge.
Unbedingt empfiehlt sich ein Besuch der Dauerausstellung „Hamburg im 20. Jahrhundert“. Zahlreiche Inszenierungen spiegeln jüngste Geschichte. Das Milchgeschäft aus dem Jahr 1931 fehlt so wenig wie der Luftschutzkeller. Das Zimmer einer Hamburger Wohngemeinschaft aus den Siebzigern korrespondiert mit dem modernen Loft von 1999. Darüber hinaus fassen Fotografien, Dokumente und Plakate das in vieler Hinsicht unheilvolle Jahrhundert präzise zusammen. Mit dem Aufbruch in die Moderne beschäftigt sich eine neue Dauerausstellung. Sie thematisiert etwa die Auswanderung über Hamburg oder den Überseehandel. In die Gegenwart leitet eine Dokumentation über die just wachsende Hafencity.
Eine Außenstelle des Museums bildet die Kramer-Witwen-Wohnung am Krayenkamp. Hier lässt sich die vollständige Einrichtung eines Krämerhaushalts um 1850 besichtigen. Die historische Häuserzeile ist allein schon sehenswert. Sie bot im 17. Jahrhundert den Witwen von Krämern eine neues Zuhause, wenn der nachfolgende Ladeninhaber ihr einstiges Wohnhaus für sich beanspruchte. Auch das einzige Schloss auf Hamburger Boden gehört zum Museum für Hamburgische Geschichte. Draußen in Bergedorf, inmitten einer Parkanlage an der Bille, beherbergt es seit 1953 das Museum für Bergedorf und die Vierlande. Erbaut hat es der dänische Graf Albrecht von Orlamünde um 1220 als Wasserburg. Heute lässt sich in der vierflügeligen Schlossanlage die Kultur- geschichte Bergedorfs bis in die Frühzeit zurückverfolgen.
| Adresse: |
Hamburgmuseum
Holstenwall 24
20355
Hamburg
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| Telefon: | +49 (0) 40 428132 2380 |
| Internet: | www.hamburgmuseum.de![]() |
| Öffnungszeiten: | Di-Sa 10-17 Uhr, So 10-18 Uhr. |
| Eintrittspreise: | 7,50 €, erm. 4 €, Familienkarte 12 €, 1 Erw. + Kinder 8,50 €, freitags kostet der Eintritt die Hälfte. |