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Hamburger Kunsthalle

Hamburger Kunsthalle
Hamburger Kunsthalle (Foto: www.pixelio.de)

Ein weißer Kubus, ein ornamentgeschmückter Backsteinbau und ein heller, kuppelgekrönter Erweiterungsbau – schon in der Architektur offenbart sich das Wesen der Hamburger Kunsthalle. Hier lassen sich Zeiten durchwandern, denn das Museum beherbergt hervorragende Sammlungen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Beginnend bei Meister Bertrams prachtvollem Wandelaltar über Caspar David Friedrichs „Eismeer“ und Edouard Manets „Nana“ bis zu Stephan von Huenes Klanginstallation „Text Tones“. In kaum einer anderen Stadt Deutschlands findet sich eine derart breite Spanne bildender Kunst unter einem Dach.

Während die 1997 eröffnete Galerie der Gegenwart ausschließlich der „Zweiten Moderne“, also der Kunst nach 1960 vorbehalten ist, präsentiert der Altbau Malerei und Skulptur aus sieben Jahrhunderten. Und seit Eröffnung des Hubertus-Wald-Forums als zusätzliche Ausstellungshalle im Januar 2004 kommt die ständige Sammlung der Kunsthalle in neuer Hängung nun besonders zur Geltung. Da breitet sich etwa die holländische Malerei des 17. Jahrhunderts prachtvoll aus. Zwei ganze Säle gelten den Hauptwerken von Caspar David Friedrich und Philipp Otto Runge. Und geradezu atemberaubend präsentiert sich die erstklassige Sammlung französischer und deutscher Impressionisten.

Hamburg

Ihr typisches Profil hat die Hamburger Kunsthalle im Wesentlichen ihrem ersten Direktor Alfred Lichtwark (1852-1914) zu verdanken. Er entdeckte Caspar David Friedrich wieder und sammelte fast das gesamte Lebenswerk von Runge. Außerdem setzte er sich für zeitgenössische Künstler wie Max Liebermann oder Lovis Corinth ein, kaufte bedeutende Gemälde von Adolph Menzel und Wilhelm Leibl, von Gustave Courbet und ersten Impressionisten wie Auguste Renoir oder Edouard Manet. Unter seiner Leitung erlangte das Museum Weltruhm. Und machte damit seinen Begründern, den Hamburger Bürgern, alle Ehre.

Denn allein Bürgersinn und Bürgertat verschafften der Hansestadt zu Beginn des 19. Jahrhunderts ihr reiches Kulturleben. In diesem Fall spielte eine nicht unwesentliche Rolle der Kaufmann Georg Harzen. Er hinterließ der Stadt rund 30.000 wertvolle Grafiken – unter der Bedingung, man solle die Kiste erst dann öffnen, wenn ein Kunstmuseum gebaut sei. Harzen hatte viele Verbündete. Die Mitglieder des 1817 gegründeten Kunstvereins nämlich, dessen Gemäldesammlung mit Harzens Grafiken den Grundstock für die Kunsthalle bildete. Weitgehend aus Spenden finanziert, konnte 1869 das Gebäude eröffnet werden. Heute umfasst der Bestand rund 5.000 Gemälde und Skulpturen. Und die auf mehr als 100.000 Blätter angewachsene Grafiksammlung ist eine der vorzüglichsten in Deutschland. Im Saal der Meisterzeichnung präsentiert das Kupferstichkabinett regelmäßig thematisch gefasste Ausschnitte daraus.

Basierend auf der gut angelegten Sammlung konnte die Hamburger Kunsthalle mit Ausstellungen wie „Picasso. Die Zeit nach Guernica“ oder „Meisterwerke aus dem Guggenheimmuseum“ erstaunliche Erfolge feiern.

Mit der vom Architekten Oswald Matthias Ungers 1997 errichteten Galerie der Gegenwart hat sich der Stellenwert des Museums jedoch international vervielfacht. Wie in allen anderen Tempeln zeitgenössischer Kunst trifft man hier auf Baselitz, Polke, Gerhard Merz, Donald Judd und Andy Warhol. Doch nicht immer. Denn zum grundlegenden Konzept gehört der Wandel. In unregelmäßigen Abständen von ein bis zwei Jahren wird die Sammlung neu geordnet. So können neu erworbene Werke präsentiert oder einzelne Positionen vertieft werden. Außerdem werden ganze Etagen ein- bis zweimal pro Jahr für Sonderausstellungen genutzt. Beachtlichen Zuspruch etwa fand „Monets Vermächtnis“ mit seriellen Werken des 20. Jahrhunderts und die Schau „Geschichtenerzähler“ stellte neue gegenständliche Malerei von jungen Künstlern vor. Die Grundstruktur jedoch bleibt gleich. Das dritte und oberste Geschoss des weißen Würfels ist den deutschen Malern der Gegenwart gewidmet. Im zweiten ist junge amerikanische Kunst ausgebreitet, und im ersten trifft man auf jüngste deutsche Skulptur und Fotografie.

Am schönsten ist es, das Haus vom Café Liebermann im Altbau zu betreten. Begleitet von heranrollenden Texten der Amerikanerin Jenny Holzer steigt man hinab in den Pyramidenstumpf, der den Kubus mit dem Altbau verbindet. Die Künstlerin installierte das elektronische Fließband zur Eröffnung der Galerie der Gegenwart im Jahr 1997. Viele Künstler haben eigens für das neue Haus Werke geschaffen und beim Aufbau unmittelbar mitgewirkt. So richtete Ilya Kabakov zwei Krankenzimmer zur symbolischen Therapie durch Kunst ein, Richard Serra schuf in schweißtreibender Arbeit mit flüssigem Blei vor Ort sein größtes „Splashing“. Drumherum gruppieren sich Werke der Pop-Art, der Minimal Art und der Konzeptkunst. Zwei grafische Kabinette präsentieren Hamburger Sammlungen: die von Gerhard Schack mit Blättern von Horst Janssen und die Sammlung Hegewisch mit Zeichnungen und Grafik der klassischen Moderne, sowie der von Goya und Delacroix.

Vorbei an Bogomir Eckers „Tropfsteinmaschine“ und der Klanginstallation von Stephan von Huene gelangt man ins Treppenhaus und von dort in den Lichthof der Galerie der Gegenwart. Die klare, auf dem Quadrat basierende Architektur Oswald M. Ungers zeigt sich hier von ihrer berauschenden Seite.

Adresse: Hamburger Kunsthalle Glockengießerwall 
20095   Hamburg
Telefon: +49 (0) 40 428131 200
Internet: www.hamburger-kunsthalle.de(Externer Link)

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