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Grabkapelle auf dem Württemberg (Stuttgart)

Grabkapelle auf dem Württemberg
Grabkapelle auf dem Württemberg (Foto: LMZ)
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Fragt man einen Stuttgarter, wo die Grabkapelle des Urgeschlechts der Württemberger zu finden sei, wird er so spontan wie falsch „auf dem Rotenberg“ antworten. Tatsächlich steht das schwäbische Taj Mahal aber auf dem Württemberg, der 411 Meter hoch ist. Die ständige Verwechslung erklärt sich einerseits damit, dass der Rotenberg tatsächlich einst so hieß, aber schon vor Hunderten von Jahren umbenannt wurde – was sich immer noch kaum herumgesprochen hat – und andererseits dadurch, dass Rotenberg am östlichen Stadtrand Stuttgarts ein hübscher historischer Weinort ist - komplett denkmalgeschützt -, der direkt ans Grabkapellen-Areal grenzt. Das, sagen böse Zungen, sei das einzige, was die weinliebenden Schwaben interessiert. Viele kommen gern zum Bechern hierher, wo man auf den sich schlängelnden Neckar und bis zur Schwäbischen Alb schauen kann.

Lange vor der Grabkapelle stand auf dem Württemberg die Stammburg derer, die dem Bindestrich-Land im deutschen Südwesten den zweiten Teil seines Namens gaben. Die älteste Urkunde über die Herren von Württemberg stammt aus dem Jahr 1081. Das war eine bewegte Zeit, es herrschten Auseinandersetzungen zwischen dem deutschen Kaiser Heinrich IV. und Papst Gregor VII., die im Bußgang des Kaisers nach Canossa kulminierten. Daraufhin kündigten die deutschen Fürsten ihre Gefolgschaft zu Heinrich und stellten 1077 Herzog Rudolf von Schwaben als Gegenkönig auf. Der Mann war als Regent glücklos, aber das Geschlecht verspürte plötzlich Aufwind. Das brachte Konrad von Beutelsbach aus dem Remstal auf die Idee, auf dem Württemberg (damals noch Rotenberg) eine Burg zu bauen. Als sie stand, legte er sich einen anderen Namen zu, Konrad von Württemberg, und ließ 1083 die Burgkapelle von Bischof Adalbert von Worms weihen. Die Urkunde dazu besteht aus Stein und ist vollständig erhalten; seinerzeit wurden Beurkundungen noch in Stein gemeißelt. Er soll der Stein mit der ältesten bekannten Inschrift einer Burg in Deutschland sein.

Die ganze Geschichte geschah auch, um sich von den Hohenstaufen abzugrenzen. Die waren als Adelsgeschlecht historisch bedeutsamer als die Württemberger, sie stellten lange die Herzöge von Schwaben und im Mittelalter sogar Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. 1246 kam es zum endgültigen Zerwürfnis zwischen Württembergern und den Staufern. Damals begann mit Graf Eberhard dem Erlauchten eine turbulente Zeit. Der cholerische Rebell legte sich mit insgesamt fünf Königen an, raffte nach dem Tod Konradins, des letzten Staufers, große Teile des Stauferschen Landbesitzes zusammen und brachte dadurch die Reichsstädte gegen sich auf. Gemeinsam zogen sie gegen den Erlauchten und seine Truppe zu Felde, besiegten ihn und zerstörten 1311 die Burg Württemberg. Daraufhin musste die Herrschaft in den Ortskern Stuttgarts ziehen, dort begann der Bau des heutigen Alten Schlosses. Doch die zerstörte Burg wurde wieder aufgebaut, wenngleich in kleinerer Version, und überstand rund 200 Jahre.

Stuttgart

Dann kam der zwielichtige Herzog Ulrich von Württemberg an die Macht, ein rauflustiger Fürst im Größenwahn. Die Reichsstadt Reutlingen wollte er seinem Herzogtum einverleiben, aber da spielte der Schwäbische Bund nicht mit. Als Ulrich tatsächlich sein Pferd spornen und die Rüstung klappern ließ, wurde er aus dem Land gejagt, und zur Abschreckung ging 1519 die Burg in Flammen auf. 1534 durfte Ulrich wieder zurückkehren – und ließ abermals die Stammburg seines Geschlechts aufbauen. Doch 1547 krempelte die Reformation Europa um, und Truppen des spanischen Herzogs von Alba zogen durch Mitteleuropa. Sie besetzten die Burg und ramponierten sie stark.

1819 fiel die Burg der Liebe zum Opfer. König Wilhelm I. ließ sie schleifen, weil er Platz brauchte, um für seine Frau Katharina eine Grabkapelle bauen zu lassen. Die Tochter des russischen Zaren war mit 31 Jahren gestorben, erst drei Jahre vorher hatten die beiden pompös geheiratet. Sie war seine große Liebe, auch wenn er sich später nötigen ließ, seine Cousine Pauline zu ehelichen, weil ein Stammhalter her musste – der sich dann auch prompt einstellte. Wilhelm hatte dennoch verfügt, nach seinem Tod an der Seite Katharinas beigesetzt zu werden. So geschah es auch, in nächtlicher Stille wurde sein Leichnam auf den Württemberg überführt. Mit dem ersten Sonnenstrahl kam er dort an, so wie er es sich gewünscht hatte.

Die beiden liegen in einem gemeinsamen Sarg aus Carrara-Marmor bestattet, der durch eine Öffnung im Boden in der Gruft betrachtet werden kann. „Die Liebe höret nimmer auf“, verheißt die Inschrift über der Grabkapelle. Monarchisten kommen heraufgepilgert und sind gerührt. Damals allerdings, als Wilhelm I. sein Projekt durchpaukte, gab es antimonarchistische Regungen. Die Menschen protestierten dagegen, den altehrwürdigen Stammsitz der Württemberger abzureißen. Doch der König setzte sich durch. Er beauftragte den Hofbaumeister Salucci, einen Italiener, mit den Plänen der Grabkapelle: Je ein säulengeschmücktes Portal ist in eine der Himmelsrichtungen gebaut. Das Innere ist geschmückt von Marmorstatuen der großen Bildhauer Thorvaldsen und Dannecker. Das Ganze ist ziemlich groß geworden, viel zu groß für die schwäbische Sparsamkeit, aber nicht zu groß für eine Love Story, die über den Tod hinaus anhält.

Adresse: Grabkapelle auf dem Württemberg (Stuttgart) Württembergstraße  340
70327   Stuttgart
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Telefon: +49 (0) 711 33 71 49
Internet: www.grabkapelle-rotenberg.de(Externer Link)
Öffnungszeiten: März-Okt. Mi 10-12, Fr/Sa 10-12 und 13-17, So 10-12 und 13-18 Uhr.
Eintrittspreise: 2 €, erm. 1 €.

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