

Weltweites Renommee genießt die Sammlung des Museums Folkwang, für die der Bankierssohn, Reformer und Visionär Karl Ernst Osthaus (1874-1921) den Grundstock legte, der davon träumte, das gesellschaftliche Leben durch die Kunst zu gestalten. Er eröffnete 1902 in Hagen das Folkwang-Museum, dessen Namen er aus der Edda entliehen hat, um hier Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts zu zeigen – eine Pioniertat, für die man ihm bis heute Respekt zollt. Osthaus investierte eine Erbschaft von drei Millionen Goldmark in die Kunst und ließ das Museum von Henry van de Velde gestalten, einem der bedeutenden Architekten seiner Zeit. Nach Osthaus‘ frühem Tod – er starb an seinem 47. Geburtstag – erwarb der neugegründete Folkwang Museumsverein die Kollektion für die Stadt Essen und vereinigte sie 1922 mit dem Städtischen Kunstmuseum zum Museum Folkwang. Seit 1960 bietet sich in dem Neubau an der Goethestraße ein beeindruckendes Panorama insbesondere der deutschen und der französischen Malerei.
Schwerpunkte bilden die deutsche Romantik, heroische Landschaftsbilder des Spätklassizismus, französische Landschaftsmalerei mit signifikanten Werken aus dem Impressionismus, dem Neoimpressionismus und dem Pointillismus. Zu den Inkunabeln gehört das 1901 von Osthaus erworbene Bild „Lise mit dem Sonnenschirm“ von Auguste Renoir; eines von vielen weiteren Spitzenwerken ist auch Paul Signacs Werk „Paris, Ile de la Cité“. Gemälde von van Gogh, Cézanne, Gauguin und Matisse leiten über zum Deutschen Expressionismus, der durch die Künstlergruppe „Die Brücke“ prominent vertreten ist, und den Kunstrichtungen des 20. Jahrhunderts wie Kubismus, Abstrakte und Konkrete Kunst, Informel und Neue Figuration. Feiningers „Gelmeroda IX“, Paul Klees „Vollmond“ und Jawlenskys „Letztes Licht“ geben einen Einblick in die konstruktive Formenwelt des Bauhauskreises. Die „Art Informel“ repräsentieren Arbeiten von Hans Hartung und Ernst Wilhelm Nay, mit Jackson Pollock ist ein Vertreter des „action painting“ in der Sammlung präsent. Den Ausklang bilden die Stilformen der letzten Jahrzehnte mit Werken von Penck, Baselitz, Merz, Kiefer, Richter, aber auch Polke.
Nicht von ungefähr gilt das Folkwang-Museum als Museumsflaggschiff des Ruhrgebiets, zumal die Sonderschauen hier regelmäßig rekordträchtige Besucheranstürme auslösen – ob es sich nun um Gipfeltreffen mit van Gogh, Gauguin und Cézanne handelt oder „Die Erfindung der Romantik“ mit Werken von Caspar David Friedrich. Den Anschluss an die Gegenwartskunst sucht man hier durch Kooperationen mit Sammlern wie Thomas Olbricht.
Der Vielzahl von Gemälden werden Meisterwerke moderner Skulptur gegenübergestellt, die in die Schausammlung integriert sind und immer wieder erhellende Querblicke ermöglichen. Dabei reicht das Spektrum von Rodin und Maillol über den Impressionisten Medardo Rossi bis zu den großen expressionistischen Werken von Lehmbruck und Barlach. Die Bildhauer der Moderne werden durch Henry Moore, Richard Serra und Ulrich Rückriem vertreten.
Die konsequente Fortführung der Sammlung machte einen Erweiterungsbau notwendig, der 1983 eröffnet wurde. Hier ist auch das Grafische Kabinett angesiedelt, dessen Fülle an Zeichnungen, Aquarellen und Druckgrafik des 19. und 20. Jahrhunderts Besuchern nach Absprache zugänglich ist. Von besonderer Bedeutung sind die umfangreiche Ludwig-Richter-Sammlung, das grafische Werk von Christian Rohlfs und das fast komplett vorhandene druckgrafische Oeuvre von Erich Heckel. Ebenfalls präsent sind Siebdrucke von Roy Lichtenstein, Andy Warhol und Tom Wesselmann.
Die Fotografische Sammlung mit ihren über 50.000 Exponaten gehört zu den bedeutendsten in Europa. Sie konzentriert sich insbesondere auf die zwanziger Jahre, die Nachkriegszeit und die zeitgenössische Fotografie und wartet mit herausragenden Beispielen zur Porträt-, Natur- und Landschaftsfotografie auf. Der marode Erweiterungsbau wird demnächst abgerissen. Der Brite David Chipperfield hat einen Entwurf für den Neubau geliefert. Er sieht drei unterschiedlich hohe kubische Baukörper vor, die durch Innenhöfe verbunden werden. Noch in diesem Sommer wird mit dem Bauprojekt begonnen; die Neueröffnung soll 2010 im Kulturhauptstadtjahr sein. Auf 4.500 Quadratmetern wird es dann eine Zusammenschau von Malerei, Skulptur, Fotografie, Grafik, Kunstgewerbe und Plakatkunst geben. Alleiniger Geldgeber ist die Krupp-Stiftung, die dafür 55 Millionen Euro zur Verfügung stellt. Über den Sommer wird das Museum geschlossen; die bedeutendsten Werke der Sammlung sind dann bis Mai 2009 in der Villa Hügel zu sehen, dem einstigen Krupp-Familiensitz.
Dem Museum Folkwang angeschlossen ist das Deutsche Plakatmuseum, eine in Deutschland einmalige Institution für Plakatgestaltung und internationales Grafik-Design, die über eine der größten Spezialsammlungen weltweit verfügt. Mehr als 340.000 Plakate aus Politik, Wirtschaft und Kultur spannen den Bogen von der Epoche des Bildplakats um die Jahrhundertwende bis zum modernen Werbemedium der Gegenwart. Die Sammlung beherbergt Blätter bekannter Künstler und innovativer Gestaltung ebenso wie Plakate als Dokumente der Alltagsgeschichte. Die Bestände werden in thematisch orientierten Wechselausstellungen präsentiert. Derzeit ist das Plakatmuseum geschlossen. Nach Fertigstellung des neuen Museums Folkwang wird es hier ein neues Domizil finden.
| Adresse: |
Museum Folkwang (Essen)
Kahrstraße 16
45128
Essen
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| Telefon: | +49 (0) 201 8845 301 |
| Internet: | www.museum-folkwang.de![]() |
| Öffnungszeiten: | Di-So 10-18 Uhr, Mo geschlossen. |
| Eintrittspreise: | 5 €, erm. 3,50 €, Kinder unter 6 Jahren frei. |