

Als Mitte 2004 Iris Dressler, 37, und Hans D. Christ, 41, aus einer „namhaften und großen Bewerberschaft“, so eine offizielle Mitteilung, die Leitung des Württembergischen Kunstvereins im Kunstgebäude am Schlossplatz übernahmen, traten sie Medien und Öffentlichkeit gegenüber zunächst defensiv auf. Für die Kunsthistorikerin und den ehemaligen Künstler ist es jeweils die erste Führungstätigkeit. Seinerzeit machten sie sich noch stark, indem sie sich beim Jour fixe vor Mitgliedern des Kunstvereins als eingespieltes Team vorstellten.
Ein Novum in der Geschichte des traditionellen Vereins. Eine Doppelspitze, das sei als Signal zu verstehen und entspreche der aktuellen Kunstproduktion, erklärten sie. „Sie entsteht heute aus dem Team, aus gemeinschaftlichen Strukturen heraus“, so Christ gegenüber der „Stuttgarter Zeitung“. Mit Team war auch nicht nur gemeint, dass zwei „Solotänzer“ einer Gruppe sagen, wo es langgeht. Team meinte das große Team, alle Mitarbeiter, Berater und Freunde des Kunstvereins. Mehr noch, Teamarbeit meint im Denken der beiden: Kooperation mit anderen Institutionen, die Kunst ausstellen oder machen. Mit dem Künstlerhaus zum Beispiel, der Akademie Schloss Solitude, dem Filmwinter, dem Theater der Welt oder dem Institut für Auslandsbeziehungen. Neue Dimensionen sollen erschlossen werden, und zwar in Osteuropa, Lateinamerika, Asien und anderen Weltregionen.
Der Kunstverein soll welthaltiger werden, offen sein für alle Richtungen, sämtliche Formen und Darbietungen von Kunst. Christ und Dressler stellten vor allem klar, dass es ihnen darum geht, die Institution wieder als bedeutendes Forum zeitgenössischer Kunst zu etablieren. Nach einem Jahr im Dienst erklärt Iris Dressler, dass die Entscheidung, als Doppelspitze zu fungieren, sich als richtig erwiesen habe. „Heute könnte ich mir erst recht nicht vorstellen, den Job alleine machen zu wollen“, sagt sie. Man sei dabei, das Ziel zu erreichen, das damals gesteckt worden sei: „Den Kunstverein lokal erden, aber international verbinden.“ Auch kunstgeschichtliche Beziehungen der letzten Jahrzehnte sollen dargestellt und mit der aktuellen Kunst konfrontiert werden. Die Ausstellungen müsse man als „höchstmöglich kommunikativ begreifen“, nur so könne man „einen Ort lebendig halten“. Gattungs- und Genreideologien dagegen würde nicht gefolgt.
Ein Jahr später lief die erste Ausstellung der neuen Art. Erstmals bespielte im Frühjahr und Sommer der Kunstverein die gesamte Ausstellungsfläche des Kunstgebäudes am Schlossplatz. Den Auftakt machte die Einzelausstellung des US-amerikanischen Künstlers Mark Tansey, die neue großformatige Malereien sowie eine Auswahl von Werken der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts umfasste. Ihr folgte die Präsentation des ersten Projekts unter dem Titel „On Difference“ – auf zwei Jahre angelegt -, die sich in über 40 unterschiedlichen künstlerischen Positionen den lokalen Kontexten und vernetzten Handlungsräumen der zeitgenössischen Kunst insbesondere in den so genannten „nicht-westlichen“ Kulturen widmete. Beteiligt sind Künstler vom Balkan, aus Serbien und Rumänien, aber auch aus dem nahen Osten, aus dem Libanon und dem Iran. Anschließend war das Theater der Welt mit seinem Festivalzentrum und verschiedenen Kooperationsprojekten zu Gast. Das Publikum war überrascht, teilweise verblüfft, aber auch sehr offen.
Neu ist auch, dass der Kunstverein neben etablierten auch jungen Künstlern eine Chance gibt. Allerdings sei das nur „ohne Niveaugefälle“ möglich. Das bedeutet, dass ein profunder künstlerischer Beitrag zu einem vorgegebenem Thema aus dem Stuttgarter Raum auch in einer international angelegten Ausstellung gezeigt werden kann. Regionale Kunstproduktion wird nicht mehr unter dem Label Region vorgestellt. Neben den Mitgliederausstellungen, die beibehalten werden, und der bewährten Vorstellung von Stipendiaten, ist das Rahmenprogramm stark erweitert worden. So gibt es etwa Filmvorführungen und DJ-Abende. Auch Künstlerbücher und Kunstzeitschriften werden dem Publikum nahegebracht.
| Adresse: |
Württembergischer Kunstverein (Stuttgart)
Schlossplatz 2
70173
Stuttgart
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| Telefon: | +49 (0) 711 2233 70 |
| Internet: | www.wkv-stuttgart.de![]() |
| Öffnungszeiten: | Di/Do-So 11-18, Mi 11-20 Uhr. |