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Bauhaus Dessau

Kornhaus Dessau
Kornhaus Dessau (Foto: www.pixelio.de)
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Dessau ist eine Stadt ohne Stadtbild. Hier Klassizismus, dort Gründerzeit, da klassische Moderne, hier Prunk der dreißiger Jahre, dort Profanes der Siebziger, Bemühtes der Neunziger. Es fügt sich nichts zusammen. Neben den Resten des Residenzschlosses hockt ein Supermarkt, die Marienkirche aus dem 16. Jahrhundert liegt hinter einem Einkaufszentrum versteckt, zum Bauhaus führt der Tunnel unterm Hauptbahnhof. Dort steht das berühmte Gebäude des Bauhauses mit seiner Glasfassade von 1926. Hier arbeiteten mehrere Ingenieure und Architekten in der kurzen Freiheitsphase der Weimarer Republik nur wenige hundert Meter voneinander entfernt an der Zukunft des Bauens. „Ich näherte mich dem Bauhaus an einem ersten Frühlingstage“, schrieb der russische Schriftsteller Ilja Ehrenburg 1927. „Es schien ganz aus einem Stück gegossen zu sein wie ein beharrlicher Gedanke, und seine Glaswände, die einen durchsichtigen Winkel bilden, mit der Luft verfließen und doch von ihr getrennt durch exakten Willen – da blieb ich unwillkürlich stehen.

Das war kein Staunen angesichts einer sinnreichen Erfindung, es war einfach Bewunderung.“ Das bombardierte und deshalb heute noch ungefügte Dessau war in den zwanziger Jahren die Hauptstadt der Moderne. Die völkisch orientierten Nazis machten damit Schluss. Vom Bauhaus blieb eine Reihe von Gebäuden, weit über die Stadt verteilt. Das Bauhaus selbst, aber auch einige Privatwohnungen können besichtigt werden. Sie kamen durch die DDR-Zeit, weil die Funktionäre, die mit dem sachlichen Architekturerbe lange nichts anzufangen wussten, sich in den siebziger Jahren doch eine bescheidene Restaurierung verfügten.

Leipzig

Knapp 80 Jahre nach dem Erstbezug wirkt das Bauhauserbe immer noch futuristisch. Das strahlende Weiß der Außenhaut hebt die Sachlichkeit der Formgebung hervor, ineinander geschobene Kuben mit Flachdach. Spielerisch klotzte die Bauhaus-Architektur Hausteile auf den Grundriss, wie Kinder es mit Bauklötzen tun. Walter Gropius, Propagandist des „Neuen Bauens“, hatte den „Baukasten im Großen“ zum Prinzip ernannt. Seit 1996 zählt das Bauhaus, wenn auch nur noch in Überresten vorhanden, zum Weltkulturerbe. Mehrere Doppelhäuser teilten sich Künstlerfamilien, sie sind noch teilweise vorhanden. So das Haus von Kandinsky und Klee, das von Oskar Schlemmer und Georg Muche, das von Feininger, aber nicht die andere Hälfte vom Fotokünstler Laszlo Moholy-Nagy.

Am erstaunlichsten ist das Kandinsky-Klee-Gebäude: Es ist von einer Farbigkeit, die mit dem künstlerischen Werk der beiden in Verbindung zu setzen ist. 170 Farbnuancen wurden analysiert, sie empfangen den Besucher, der nüchternes Weiß erwartet, mit der Wucht des Bunten und stark Kontrastierenden. Die Schmuckstücke sind nahezu unmöbliert, das Haus ist das Ereignis. Nur die beiden Ateliers werden zu Ausstellungen benutzt. Die Baugeschichte ist selbstverständlich in Wort und Bild dokumentiert.

Jetzt erst, nachdem die Anbauten beseitigt sind, ist die ausgeklügelte Spiegelsymmetrie der um 90 Grad zueinander verdrehten Pendants wieder ersichtlich: Bis ins Detail sind sie in den Wohn- und Atelierbereichen typengleich. Was den beiden Malern nicht gefallen hätte, aber den Besuchern sehr zupass kommt: Vom Wohnzimmer Klees geht es direkt in das Kandinskys – ein Mauerdurchbruch ermöglicht das. Und damit auch die Darstellung zweier Kulturen: Hier die erdigen, natürlichen Töne Klees, dort das prunkvoll-kräftige Dekorationsbedürfnis des gebürtigen Russen. „Bauen bedeutet Gestalten von Lebensvorgängen“, pflegte Gropius zu kommentieren.

Die legendäre Künstler- und Architektenschmiede, eine Ikone der Moderne, wird heute als Stiftung Bauhaus geführt. Ihre Mitarbeiter sind mit der vornehmen Aufgabe der Bewahrung, Erforschung und Vermittlung der Geschichte dieser Institution betraut. Zudem kümmern sie sich um urbane Probleme, etwa Entwicklungen strukturschwacher Städte, denen die Perspektiven fehlen – wie Dessau. Sie versuchen, „von der bloßen Negativität wegzukommen und ganz pragmatisch nach den Potenzialen zu suchen“. Das Bauhaus ist zur Ideenschmiede geworden, den Bauhaus-Gründern würde das gefallen.

Adresse: Bauhaus Dessau Ebertallee 69
06846  Dessau
Telefon: +49 (0) 340 661 0934
Internet: www.meisterhaeuser.de(Externer Link)
Öffnungszeiten: 16. Feb.-31. Okt. Di-So 10-18 Uhr; 1. Nov.-15. Feb. Di-So 10-17 Uhr.
Eintrittspreise: 5 €, erm. 3 €.

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