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Altonaer Museum (Hamburg)

Hamburg

Vierländer Blumenmädchen, Curslacker Bauernstuben, Hummerfänger und Galionsfiguren. Das Interesse des Altonaer Museums gilt der Kulturgeschichte Norddeutschlands. Die Schausammlungen zu Schifffahrt und Fischerei, bäuerlicher und kleinstädtischer Kultur, die Landschaftsgalerie und die Abteilung Kunsthandwerk geben einen anschaulichen Überblick über Leben und Wirken der Menschen in dieser Region. Vom 17. Jahrhundert bis heute. Vom Fischfang und Handel erzählen im Erdgeschoss historische Segelschiffe im Maßstab 1:5, ein Hochseekutter und Modelle von Kauffahrteischiffen. Welche bedeutende Rolle der Walfang früher spielte, zeigt etwa die große Anzahl von Harpunen. Eine beinahe magische Atmosphäre herrscht im abgedunkelten Raum nebenan, wo zum Fries gereihte Galionsfiguren von der Wand herabblicken. So, als wollten sie immer noch den Zorn des Meeres besänftigen.

Entschieden heimeliger ist die Präsentation im ersten Stock. Hier geben Trachten und Kostüme Auskunft über bäuerliche und bürgerliche Mode aus der Zeit von 1760 bis 1926. Und insgesamt 17 original eingerichtete Bauernstuben vom Ende des 17. bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zeigen, dass es sich in der fruchtbaren Landschaft Schleswig-Holsteins und des nördlichen Niedersachsens gut leben ließ. Reich geschnitzte oder bemalte Wände, intarsierte Möbel und Hausrat zeugen vom Wohlstand des Landvolks. Sogar ein vollständig erhaltenes Gemischtwarengeschäft aus Altenwerder lässt sich dort begutachten.

Etwas versteckt hinter dem Hörsaal des Museums findet sich die Landschaftsgalerie. Ein kleines Juwel innerhalb des Hauses, denn die weiten Raumfluchten bieten mit Gemälden von norddeutschen Malern – oder solchen, die dieser Landschaft verhaftet waren – wie Louis Gurlitt, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Eduard Bargheer bis hin zu zeitgenössischer Malerei einen Augenschmaus.

Die Geschichte des Altonaer Museums ist wechselvoll. Viel verheißend beginnt sie im Jahr 1901 mit der Gründung des Museums als „Bildungsstätte für Jedermann“. Der Neuerungsgeist des ersten Direktors Otto Lehmann (1865-1951) wirkt bis 1931. Kurz danach trifft ein Schlag nach dem anderen das Haus: 1937 wird Altona nach Hamburg eingemeindet, und das Museum verliert zum Teil seine Gönner; 1945 zerstört ein Luftangriff das Gebäude zu 65 Prozent. Nur durch hartnäckiges Drängen Günther Grundmanns (Direktor von 1950-59) wird das Haus wieder aufgebaut. Aber nicht in alter Pracht. 1978 fordert ein Senatsbeschluss die Abgabe der frühgeschichtlichen und naturwissenschaftlichen Sammlung an das Helms- beziehungsweise Zoologische Museum, und im Mai 1980 zerstört ein Brand bedeutende Teile der Sammlung.

Für ein derart malträtiertes Haus hält sich das Altonaer Museum wacker. Vor allem die Sonderausstellungen vermögen zu fesseln. Große Themenschauen nehmen etwa Bezug auf Altonas enge Verbindung zu Dänemark (bis 1864 stand die Stadt unter dänischer Herrschaft). Den Freigeist des Ortes, der stets Minderheiten Zuflucht bot, bebildern Ausstellungen zu jüdischer Kultur oder jener der Mennoniten.

Außerdem gehören zum Museum drei Außenstellen, die eindrucksvoll von bürgerlicher und bäuerlicher Kultur berichten. Da ist das Jenisch-Haus, 1834 nach Plänen von Franz Gustav Forsmann und Karl Friedrich Schinkel errichtet. Es diente dem Hamburger Bausenator Martin Johannes Jenisch (1793-1857) als Landsitz. Gelegen in einem wunderschönen Landschaftspark am Elbufer zeigt es in einer Folge von klassizistischen Sälen Möbel, Gemälde und Kunsthandwerk aus seiner Erbauungszeit. Das zweite Obergeschoss präsentiert wechselnde Ausstellungen zu Malerei und Grafik, Architektur und Kunsthandwerk vor allem des 19. Jahrhunderts.

Das Heine-Haus in der Elbchaussee ist ein Überbleibsel des einstigen Landsitzes von Salomon Heine (1767-1844), Bankier und Onkel des Dichters Heinrich Heine (1797-1856). Das ehemalige Gartenhaus mit Kuppelsaal nutzt heute das Altonaer Museum für wechselnde Ausstellungen, Konzerte und Lesungen zur jüdischen Kultur.

Weiter draußen, in den Vierlanden, vermittelt das Rieck-Haus einen lebhaften Eindruck von bäuerlicher Kultur in den fruchtbaren Elbmarschen. Die Hofanlage umfasst ein reetgedecktes Fachwerkhaus aus dem Jahr 1533, eine Scheune aus eben dieser Zeit, einen Ziehbrunnen und einen mit Buchsbaumhecken gesäumten Nutzgarten. Das Rieck-Haus ist einer der ältesten noch erhaltenen Bauernhöfe in den Vierlanden. In seiner ursprünglichen Lage am alten Deich des Dorfes Curslack wurde die Anlage 1954 als Freilichtmuseum eröffnet.

Adresse: Altonaer Museum (Hamburg) Museumstraße 23
22765   Hamburg
Telefon: +49 (0) 40 428135 3582
Internet: www.altonaer-museum.de(Externer Link)
Öffnungszeiten: Di-So 10-17 Uhr
Eintrittspreise: 6 €, erm. 3,50 €, Familienkarte (2 Erwachsene mit Kindern bis 17 Jahre): 10 €, Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre: Eintritt frei, mit Hamburg Card: 4 €, Gruppen ab 15 Personen 4 €, Gruppen ermäßigt 3 €

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