

Berlin hat seine Akropolis zurück. Die europäische Kunst des 19. Jahrhunderts aus der Sammlung Preußischer Kulturbesitz ist nun wieder vereint auf drei Etagen im pompös-melancholischen, mit Liebe zum Detail herausgeputzten Tempelbau am Ufer der Spree. Im wieder zugänglichen Dachgeschoß wartet der Höhepunkt romantischer Malerei aus Deutschland: Caspar David Friedrichs „Mönch am Meer“ trifft auf seine „Abtei im Eichwald“ und viele andere seiner Einsamkeitsbilder in Morgenröte oder Abenddämmerung. Im Nachbarsaal breiten sich Karl Friedrich Schinkels gemalte Bauvisionen aus, in denen der berühmteste Berliner Architekt seiner Antiken- und Gotiksehnsucht zweidimensionalen, aber nicht minder realitätsnahen Ausdruck verleiht.
Um wichtige Skulpturen der Zeit ergänzt, erhält die weltweit einzigartige Sammlung deutscher Romantik nach Exiljahren im Schloss Charlottenburg einen zwar weniger verträumten, dafür umso prominenteren Platz an ihrem ursprünglichen Aufbewahrungsort. Das riesenhafte Treppenhaus bietet mit Anselm Feuerbachs „Gastmahl“ und Ausblicken auf die 1999 zum Weltkulturerbe erklärte Museumsinsellandschaft eindrückliche Blickfänge und führt den Besucher hinab zur Kunst der Jahrhundertmitte. Zentral ist hier zum einen der Saal mit französischem Impressionismus von Monet und Manet, den Direktor Hugo von Tschudi trotz des Widerstands konservativer Geschmäcker bereits vor hundert Jahren für die Nationalgalerie angekauft hatte. Zum anderen dominiert der deutsche Symbolismus. Hans von Marées’ aparte Orangenpflücker, Arnold Böcklins todeslüsterne Gemälde und Feuerbachs schwülstige Mythologien wirken wundervoll gedankenschwanger im Gegensatz zu den Lichtspielen der Franzosen nebenan.
Mit Adolf Menzel endet der Rundgang durch die Alte Nationalgalerie, die Friedrich August Stüler mit Unterstützung von Friedrich Wilhelm IV. entwarf. Die Idee des Nationalstaats, welche die Gründungsväter der Galerie mit den Mitteln der Bildenden Kunst unterstützen wollten, konnte das letzte Jahrhundert nicht überleben. Menzels großformatigen, unvollendeten Versuchen, das Kaiserreich noch einmal bildhaft heraufzubeschwören, wohnt bereits ein grandioses Scheitern inne. Bestechend lebendig und nach wie vor zeitgemäß sind dagegen Menzels kleine Ölstudien, die sich in der Apsis des Tempels in Kabinetten verstecken. Hier flattert die feuchte Wäsche in malerischen Hinterhofidyllen, die noch heute das Berlin-Klischee jenseits der luxussanierten Kieze prägen.
| Adresse: |
Alte Nationalgalerie (Berlin)
Bodestr. 1
10178
Berlin
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| Telefon: | +49 (0) 30 2090 5801 |
| Internet: | www.alte-nationalgalerie.de![]() |
| Öffnungszeiten: | Di, Mi, Fr-So 10-18 Uhr, Do 10-22 Uhr, Mo geschlossen. |
| Eintrittspreise: | 8 €, erm. 4 €. |
| Führungen: | Führungen bitte erfragen unter Tel. 030 2 66 36 66 oder fuehrungen@smb.spk-berlin.de |
| Nahverkehr: | S-Bahn:
U-Bahn:
Tram:
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